Freitag, 10. Juni 2022

Pressemitteilung: »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« markiert historische Orte ehemaliger Umerziehungsheime | Einweihung am 18. Juni 2022 in Torgau

 PRESSEMITTEILUNG 

 


Neuer Impuls für die Aufarbeitung der repressiven DDR-Heimerziehung:

»BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« markiert historische Orte ehemaliger Umerziehungsheime | Einweihung am 18. Juni 2022 in Torgau

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

am 18. Juni 2022 weiht die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof ihre »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« - das Mobile Denkzeichen als interaktiver Lernort zur repressiven Heimerziehung ein. Den Rahmen bildet das 18. Treffen ehemaliger DDR-Heimkinder, das nach zweijähriger Pause wieder in Torgau stattfindet.

 

Wir würden uns freuen, wenn die anhängende Pressemitteilung und der Flyer zur »BLACKBOX HEIMERZIEHUNG« bei Ihnen Beachtung und Ihre mediale Begleitung finden. Für einen ersten Eindruck senden wir Ihnen gerne zwei Fotos aus der Herstellungsphase.

 

Mit freundlichen Grüßen und herzlichem Dank

 

Juliane Weiß

Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit

________________________________________

Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau

Closed Juvenile Detention Centre Memorial

Fischerdörfchen 15

04860 Torgau

Tel. 03421 7045621

Mobil 0157 39611754

Fax 03421 776641

j.weiss@jugendwerkhof-torgau.de

www.jugendwerkhof-torgau.de




 

Donnerstag, 9. Juni 2022

Neuerscheinung: Poesiealbum 369






Zur Seite "Hauptreihe":

 http://poesiealbum.info/poesiealbum.html

Das neue Heft Poesiealbum 369:

http://poesiealbum.info/hefte/369.html

Inhalt (alphabetisch) Poesiealbum 369:

http://poesiealbum.info/hefte/369a.html

Zur Bestellung (immer den Eselsohren nach):

http://www.poesiealbum-online.de/pa/?mod=9

Preis 5€. 


Gute Lektüre! Gute Unterhaltung!

Bleibt einander gewogen!

Schaut gern wieder vorbei!




                                                                       

Mittwoch, 11. Mai 2022

Appeasement und Desinformation: Ist „Peace of our time“ unsere Zivilisationsformel? Ein Rückblick auf 1938 und die Folgen

 

Über Appeasement und Desinformation

Ist „Peace of our time“ unsere Zivilisationsformel?

Anmerkungen zu Greta Kuckhoff und der „Roten Kapelle“

Ein Rückblick auf 1938 und die Folgen

von

Axel Reitel

für Ule und Maria Mägdefrau


Revived bitterness

is unnecessary unless

one is ignorant“.

Aus dem Gedicht „The past is the present“

von Marianne Moore (1887–1972)


Können wir unseren Mitmenschen vertrauen?“ Teilnehmer einer seit 1981 bislang sechsmal durchgeführten internationalen Studie geben mit der Beantwortung dieser Frage, die Stadt und Land, Regierung und Straße einschließt, einerseits ein alarmierendes und andererseits ein hoffnungsvolles Zeichen. Demnach hat, abgesehen von erfreulichen Ausnahmen, in den meisten Ländern das Vertrauen in die Mitmenschen abgenommen. Ich lese diesen Artikel, erschienen Anfang Oktober 2018 in der „Neuen Zürcher Zeitung“, am selben Tag, an dem ich diese Anmerkungen zur „Roten Kapelle“ abschließe.

Als ich im Februar 1979 im Windschatten meines Jugendfreundes Ule dessen Oma am Leninplatz in Ost-Berlin besuche, hatte ich ihr als „Lebensbericht“ untertiteltes Buch „Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle“ bereits gelesen. Die 1902 geborene, weißhaarige freundliche Dame war die hervorstechende Persönlichkeit der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“. Greta Kuckhoff war elegant gekleidet in mausgrauer Nadelcordhose, seidener Blümchenbluse und türkiser Wollstrickjacke. Wir tranken Tee im Wintergarten. Vor dem Fenster erhob sich das tonnenschwere Lenin-Denkmal, dessen Kopf zweieinhalb Jahrzehnte später als Epiphanie im Film „Good Bye, Lenin!“ erstaunt.

Ohne Vertrauen hätten wir es nie zu diesem Zusammenhalt geschafft.“ „Ohne Vertrauen ist das ganze Leben nichts wert.“ Wurden diese Sätze in unserem kurzen Gespräch vor bald vierzig Jahren wirklich ausgesprochen? Als ich vor kurzem, auf Ules Anraten, den Nachlass seiner Großmutter im Bundesarchiv in Berlin-Lichterfelde sichtete, kommt es mir immer wieder so vor, als seien diese beiden Kernsätze tatsächlich gefallen. Umso mehr, als ich nach und nach verstehe, wie deutlich sich im Jahr 1938 eine der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts abzeichnete, deren vorbereitete Verhinderung aber dennoch kurz bevorstand.

Das Jahr 1938 als Wegscheide

Mit der Unterzeichnung des Münchner Abkommens in der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938 besiegelten Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien nicht nur das Ende der ersten Tschechoslowakischen Republik. Die Unterzeichner Adolf Hitler, Benito Mussolini, Édouard Daladier und Neville Chamberlain legten dort ebenfalls fest, dass die Tschechoslowakei binnen einer Frist von zehn Tagen das Sudetenland zu räumen und an das Deutsche Reich abzutreten habe.

An der Konferenz teilnehmen durften weder die Tschechoslowakei selbst noch die mit ihr verbündete Sowjetunion. Die reichsdeutsche Außenpolitik wusste das Mittel einer fragwürdigen „pax germanica“, bei gleichzeitiger Kriegsandrohung im Falle der Nichtunterzeichnung, erfolgreich einzusetzen. Dem italienischen Diktator Mussolini, Moderator des Abkommens, waren die Absichten zur Zerstörung der Tschechoslowakei bereits vor dem 29. September 1938 bekannt. Hitlers Pläne sahen bis zum Treffen in München vor, die Tschechoslowakei in einem gemeinsamen Feldzug gegen Ungarn und Polen zu überfallen.

Den notwendigen Freiraum sollte eine Stärkung der revisionistischen Kräfte in diesen Staaten und eine Ablenkungstaktik gegenüber den Garantiemächten eröffnen. Dass Hitler dabei mit verdeckten Karten spielte, demonstrierte sein Verhalten während eines Gesprächs am 15. September 1938 auf dem Obersalzberg: Hitler verweigerte dem britischen Premierminister die Übergabe des Protokolls. Stattdessen erhielt Chamberlain eine gekürzte Fassung, aus der alle kompromittierenden und bewussten Falsch Darstellungen heraus retuschiert wurden.

Die bei den Verhandlungen eintreffende Nachricht von der Mobilmachung der tschechoslowakischen Truppen war inszenierter Theaterdonner, der dennoch einen Wendepunkt markierte. Den fehlenden „Zwischenkieferknochen“ in der Geschichte Hitlerdeutschlands liefert General Dr. Hans Emil Speidel in seinem 1949 erschienenen Buch "Invasion 1944". Es ist die durch gewichtige Indizien gestützte These, dass die NS-Diktatur nach fünf Jahren hätte beendet werden können und Hitler in jenen Tagen zu stoppen gewesen wäre. Dem gegenüber stand zunächst einmal der Nebel eines Wahns, der auf weitem Feld bloße Phantasiebilder als objektive Tatbestände erscheinen ließ. „Der düsteren politischen Lage entsprach die militärische […] Hitler und Goebbels nutzten massenpsychologische Momente geschickt aus und erstrebten den ‚revolutionären Militarismus‘. Das Ergebnis, daß ein Teil der Offiziere, berauscht von napoleonischen Wunschträumen, ‚Funktionäre‘ wurden [...]“, schreibt Speidel in der Invasion 1944.

Dabei räumt er ein, dass sämtlich alle militärischen Führer und Persönlichkeiten „Kinder ihrer Zeit“ waren, die „nicht alles sahen, was sie erkennen mußten“. Das ist wahr und ging doch auch anders, wie wir am Beispiel von Greta Kuckhoff und ihren Mitstreitern sehen können. Andererseits beschreibt Speidel in seinem Buch eine Bewegung innerhalb der Wehrmacht unter Generaloberst Ludwig Beck, die besonders im Jahr 1938 erfolglos versuchte, dem „zum äußersten entschlossenen Staatsoberhaupt Einhalt zu gebieten“. Die Armeestruktur unter Beck wollte den Führer nach seiner Rückkehr aus München verhaften. Doch eben dazu sollte es nicht kommen. Im Fazit von Speidel heißt es: „Der außenpolitische Erfolg Hitlers in München, zu dem ihm die Alliierten verholfen hatten, schlug Beck und seinem Nachfolger Halder die Waffen aus der Hand.“

Appeasement und Desinformation

Die als Sprachlehrerin und Übersetzerin tätige Greta Kuckhoff reiste im Sommer 1938, beauftragt von der Gruppe Harnack-Boysen, nach London. Sie sollte gegen das Münchner Abkommen agitieren und mächtige Verbündete finden. Auch dieser Versuch scheiterte. Die Beschwichtigungspolitik (Appeasement) dominierte auf der Insel und verhinderte eine ausreichende Bereitschaft zum Widerspruch gegen das nationalsozialistische Deutschland. Die massenwirksame Erklärung des Premierministers Chamberlain, die er am 30. September 1938, dem Tag der Unterzeichnung, vom Balkon des Buckingham Palastes an die britische Nation richtete, enthielt das berühmte Credo „Peace for our Time“, das sich nur ein Jahr später als schlimmer Irrtum herausstellte.

Wie weitreichend und erfolgreich Hitlers Desinformatoren die Welt in Atem hielten, belegt das brachiale Scheitern des sowjetischen Volkskommissars für Staatssicherheit, Wsewolod Nikolajewitsch Merkulow. Als Merkulow Stalin am 17. Juni 1941 „einen alarmierenden Vermerk“ vorlegt „über Vorbereitungen Deutschlands für einen Krieg gegen die Sowjetunion“, erhält er eine Abfuhr. Stalin hält den echten Informanten für einen Desinformator. Fünf Tage später erfährt er die Tragik seines Fehlschlusses. Am 22. Juni 1941 griffen deutsche Truppen die Sowjetunion an.

Der von Stalin geschmähte Informant war Harro Schulze-Boysen, ein Offizier im Reichsluftfahrtministerium. Er wusste wie wenige andere von dem bevorstehenden Einmarsch und beschloss, gemeinsam mit anderen deutschen Widerständlern, die sowjetische Seite zu warnen. Kuckhoffs knappe Bemerkung in ihrer memorierenden Erzählung „‚Ules Welt‘“, während des kurzen Besuches in London habe ihr Walt Disneys „Schneewittchen“ „ein funkelnagelneues Kinderherz neben das versorgte und grämende in die Brust gezaubert“, ist dabei von einiger Bedeutung (BArch N 2506/198 Bl. 145). Bei ihrer Rückkehr wird sie von Arvid Harnack, einem Kopf der Gruppe, gerügt, denn sie hätte mit ihrem Kinobesuch nur wichtige Zeit für die Agitation verschwendet.

Harnack war ein an der US-amerikanischen Universität Wisconsin in Madison ausgebildeter Nationalökonom und Vetter des Berliner Pfarrers Dietrich Bonhoeffer. Seine Ehefrau, Mildred Fish, war gebürtige US-Amerikanerin und studierte Literaturwissenschaftlerin. Greta Kuckhoff besuchte, noch unter ihrem Geburtsnamen Margaretha Lorke, ebenfalls die Universität in Madison, wo sie ihr 1924 an der Berliner Humboldt-Universität begonnenes und in Würzburg fortgesetztes Studium der Philosophie, Soziologie und Ökonomie im Jahr 1929 abschloss. Mildred und Arvid Harnack lernte sie im freitags tagenden „Friday Niters Club“ kennen.

Die Jahre 1930 bis 1932 lebte Kuckhoff in Zürich und arbeitete sowohl für einen Rechtsanwalt als auch als freischaffende Sprachtrainerin und Übersetzerin im Bereich Wirtschaftsrecht. Zurück in Deutschland wurde sie Sekretärin des Soziologen Karl Mannheim am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main. Danach studierte sie kurzzeitig an der London School of Economics. Hauptsächlich aber bereitete sie die Flucht Mannheims vor, dessen Institut von den Nazis bereits im März 1933 geschlossen wurde. Im selben Jahr lernte sie den Schriftsteller Adam Kuckhoff kennen, sie heiraten am 28. August 1933. Ihr Sohn Ule wurde am 8. Januar 1938 geboren. Auch sein Sohn, mein späterer Jugendfreund, wird einmal Ule heißen.

Foto: Greta Lorke in Zürich, 1932.                                                                                                                            Im Jahr 1937 heiratete sie den Schriftsteller                                                                                                                Adam Kuckhoff (1887– 1943).                                                                                                                                    Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand,                                                                                                              Berlin.

Mein Kampf“ zur Aufklärung übersetzen

In ihrem Memoiren-Roman „Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle“ schildert Gretas Mann Adam in einer Passage, was entgegen der Rüge Harnacks steht und warum er „Dichter geworden“ ist. Der nämlich irrt sich, „der denkt, wenn wir erst den Kommunismus haben, kommt das Gefühl für ewige Werte, für Schönheit nicht nur in der Natur, vor allem in den menschlichen Beziehungen, von selbst. Nichts kommt von selbst.“

Die „Rote Kapelle“ setzte sich aus ganz verschiedenen beruflichen Gruppen zusammen. Am Glauben an Literatur und Kunst halten Greta und Adam Kuckhoff auch in ihren Gefängnisbriefen, kurz vor den sicheren Todesurteilen, fest. In jenem „elitären Zirkel aus Kunst, Wissenschaft und Verwaltung“, der das Dritte Reich stürzen und Opfern der Verfolgung helfen will, gerät sie ohne Zweifel durch ihren Ehemann Adam. Aus Sicht des NS-Terrorregimes ist der Kreis lediglich ein Spionagering, den Leopold Trepper, ein polnischer Jude und Kommunist, Widerstandskämpfer und Publizist, im Auftrag des sowjetischen militärischen Nachrichtendienstes (GRU) aufgebaut hat. Es ist folglich auch die Geheime Staatspolizei (Gestapo), die der Widerstandsgruppe den Namen „Rote Kapelle“ verpasst. Rot für die Farbe des Kommunismus. Kapelle als interne Bezeichnung für eine Gruppe von Funkern.

Zu diesem Ring gehören neben den Harnacks der Publizist Harro Schulze- Boysen und seine extravagante Frau Libertas sowie Sophie und John Sieg, ein in Detroit geborener Sohn deutscher Einwanderer, der sich in den 1920er Jahren in Deutschland niederließ und schriftstellerisch aktiv war. Im Jahr 1933 wurde er als KPD-Mitglied für mehrere Monate von der Sturmabteilung (SA) gequält und festgehalten. Sie alle trafen in Berlin immer wieder zusammen: das intellektuelle Paar, das Paar der feinen Gesellschaft, das Pärchen des Proletariats, das Paar der Häuslichkeit. Herausragend ist an der Gruppe, dass Männer und Frauen gleichstark in die Sache des Widerstandes einbezogen sind. Zu ihren Unterstützern gehört der Schriftsteller und Widerständler Günter Weisenborn. Als die Gruppe während des Krieges auffliegt, geschieht das nicht durch Verrat oder Wagemut, sondern aufgrund der Unbedachtheit und Inkompetenz der Geheimdienstler in Moskau, die Namen und Adressen einiger Berliner Mitglieder in einem Funkspruch erwähnen.

Äußerlich war die Vernetzung des Zirkels mit auswärtigen und inländischen Widerstandsgruppen durch einwandfreie Anstellungen in diversen Reichsministerien getarnt. So erhielt Greta Kuckhoff über Schulze-Boysen eine freiberufliche Stelle im Reichsministerium für öffentliche Aufklärung und Propaganda. Ihre Aufträge beinhalten das Übersetzen von Kongressreden, aber auch von Artikeln über die Rassenpolitik der NSDAP.

Das Jahr 1939 beginnt sie in der Hoffnung, die britische Öffentlichkeit über die wahren Absichten Hitlers mit einer selbstständigen Übersetzung von "Mein Kampf" aufzuklären. Erschrocken ist sie vor allem durch die inszenierte Täuschung von Hitlers Desinformationsbüros in Großbritannien. Als ihr eine andere englische Übersetzung im März 1939 zuvorkommt, führt dies in London zu einer denkwürdigen Auseinandersetzung über den Charakter des Nationalsozialismus zwischen dem sowjetischen Botschafter Iwan Michailowitsch Maiski und dem Mitglied des britischen Unterhauses und früheren Premierministers David Lloyd George. In der Debatte mit Maiski verteidigt Lloyd George zunächst den deutschen Reichskanzler vehement.

Die vom Londoner Verlag Hurst & Blackett herausgegebene Übersetzung, für die Hitler selbst das Vorwort schrieb, enthielt allerdings nur ein Siebtel der Originalfassung und wies nirgends auf die Art der Auslassungen hin. Maiski, der das Original kannte, betonte im Streitgespräch die innewohnende Aggressivität des Buches als eine „Bibel des Nazismus“. Hitlers erklärtes Ziel sei die Zerschlagung und Unterwerfung Frankreichs und die Eroberung von sogenanntem Lebensraum im Osten: in Polen, im Baltikum, in der UdSSR und vor allem in der Ukraine.

Foto: Das 1972 publizierte Erinnerungsbuch                                                                                                      von Greta Kuckhoff (1902–1981) erlebte in                                                                                                                der DDR mehrere Auflagen, erschienen im                                                                                                                  Verlag Neues Leben. Quelle: GWS-Archiv

Lloyd George hielt die Kritik für ungerechtfertigt und „hitlerfeindliche Propaganda“. Maiski schickte Lloyd George nach der Unterredung eine neu angefertigte Übersetzung der vorenthaltenen Buchteile. Dieser zeigte sich aber weniger von den Auslassungen erschüttert als vielmehr von der Tatsache, dass dem englischen Leser viele Kapitel unterschlagen wurden, wie im Kuckhoff-Nachlass nachzulesen ist. (BArch N 2506/132 Bl. 45 f.) Nach Greta Kuckhoffs eigenen Bekundungen arbeitete sie wochenlang gemeinsam mit dem englischen Übersetzer James Murphy an einer vollständigen Edition von Mein Kampf. Als Ende 1939 in den USA eine „unbereingte“ Ausgabe erschien, erfährt sie nicht, wie sie in der „Kapelle“ schreibt, ob ihre Arbeit ebenfalls „eingeflossen“ ist. Am 12. September 1942 wurde sie in Berlin durch die Gestapo verhaftet. Was wäre gewesen, wenn ...

Wir können uns dem Jahr 1938 nur kontrafaktisch, entgegen der historischen Tatsachen, annähern. Mit der Einlassung General Speidels, dem verhängnisvollen Treiben Hitlers nach dessen Rückkehr von der Münchner Konferenz durch Verhaftung ein Ende zu machen, wird das Verhängnis der diplomatisch beschlossenen Beschwichtigung gegenüber dem aggressiven Diktator überdeutlich. Die Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ war eine umsichtige und sich solidarisch mit anderen Gruppen verhaltende antitotalitäre Organisation. Das in der DDR verzerrte Bild einer rein kommunistischen Spionagegruppe färbte sich auf die Rezeption in der Bundesrepublik ab.

Die vielfältigen Berichte über die letzten Stunden der zum Tode Verurteilten stellen die anfangs aufgeworfenen Vertrauensfragen neu. Adam und Greta Kuckhoff werden vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Adam wird, wie viele Mitglieder der „Roten Kapelle“, im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet, Gretas Todesurteil in eine zehnjährige Zuchthausstrafe umgewandelt. Der Briefwechsel der Eheleute wird bis zum Tod Adams zur Brücke über dem Abgrund, den die Machthaber aufgerissen haben.

Greta Kuckhoff notiert in ihren nachgelassenen Erinnerungen: „Am 23. August 1943 teilte mir Pfarrer Ohm mit, daß Adam und 11 unserer Frauen am 5. August in Plötzensee hingerichtet worden seien. Ich erwartete nun, daß ich, die einzig Überlebende der mir bekannten Mitglieder der „Roten Kapelle“, den Weg nach Plötzensee in den nächsten Tagen würde antreten müssen. Das gleiche dachten sowohl meine zu Freiheitsstrafen verurteilten Kameradinnen wie der Geistliche und das Gefängnispersonal einschließlich der Leiterin.

Ich erhielt die Genehmigung, in einer Einzelzelle während des Tages meine grundsätzlichen Gedanken, die Erziehung Ules betreffend, niederzuschreiben. Es tat mir wohl, allein sein zu dürfen. Die Niederschrift selbst wurde jedoch nicht vollendet, da die Entwicklung in jenen Wochen so unsicher war, daß sie keine feste Grundlage für meine Erziehungsgedanken bot.“ (BArch N 2506/198 Bl. 102) Im Winter 1943 geht Greta Kuckhoff auf „Transport“ in das Frauenzuchthaus Cottbus. Sie bleibt dort bis zum Herbst 1944 und kommt danach in das Zuchthaus Waldheim, wo sie im Mai 1945 von der Sowjetarmee befreit wird.

Intrige, Wandlitz, Stolperstein

Nach Kriegsende wirkte Kuckhoff in verschiedenen Funktionen und Gremien. Im Oktober 1947 sprach sie auf dem 1. Deutschen Schriftstellerkongress in Berlin. Von 1954 bis 1958 war sie Abgeordnete der Volkskammer, von 1950 bis 1958 Präsidentin der Deutschen Notenbank (DNB). Hier wurde sie offensichtlich Opfer einer Intrige. Als die Bürger der DDR am Sonntag, dem 13. Oktober 1957, via Radiosender vom Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, aufgefordert wurden, dass sie noch am selben Tag, zwischen 12 und 22 Uhr, die alten Banknoten der Deutschen Mark bei den Umtauschstellen der Deutschen Notenbank abzugeben hätten und neue Banknoten erhalten würden, wird Kuckhoff als Präsidentin der Notenbank davon überrascht. Sie war in den Währungsumtausch nicht einbezogen, dennoch muss sie den „Währungscoup“ vor der Presse inhaltlich vertreten. Politisch überlebte sie den Vorgang nicht. Im April 1958 trat sie als Präsidentin der DNB zurück. Im Nachlass findet sich ihr persönlicher Blick auf Hintergründe: „Der Deutschen Notenbank wird der Vorwurf gemacht, daß sie sich über die Regierung stellt oder zumindest möglichst unabhängig von ihr – und damit auch von den Parteibeschlüssen – gestellt sein möchte. Die alten kapitalistischen Reichsbankallüren versucht man aufrecht zu erhalten.

Ich habe Gründe anzunehmen, daß die Hauptargumente zu dieser Meinung von den Genossen des Ministeriums der Finanzen stammen.“ (BArch, N 2506/267, Bl. 281) Nach der politisch motivierten Entbindung aus dieser Position engagierte sie sich im von der SED gesteuerten Friedensrat der DDR – ab 1964 als dessen Vizepräsidentin und zugleich als Mitglied im Weltfriedensrat.

Greta Kuckhoff heiratet nicht wieder. Ab 1946 lebt sie in eheähnlicher Beziehung mit Margarete „Grete“ Wittkowski. Diese bestritt mehrere hohe Staatsämter, unter anderem als stellvertretende Vorsitzende des Ministerrats, zuständig für den Bereich Handel, Versorgung und Konsumgüterproduktion sowie als Stellvertreterin des Vorsitzenden Otto Grotewohl. 1968 folgte Wittkowski ihrer Lebensgefährtin auf den Stuhl als Präsidentin der Notenbank. Im Jahr 1972 erschien "Vom Rosenkranz zur Roten Kapelle", nicht ohne Eingriffe der Zensur. Ein geplantes zweites Erinnerungsbuch, das Kuckhoffs Leben nach 1945 behandeln sollte, kam nicht zustande. Auch eine Residenz in der abgeschotteten Waldsiedlung Wandlitz erhielt Greta Kuckhoff nicht, sondern eine Wohnung am abgelegenen Rande vor dem "Wandlitzer Ghetto" (Wolf Biermann).

2009 erschien mit "Red Orchestra. The Story of the Berlin Underground and the Circle of Friends Who Resisted Hitler" ein neues Standardwerk der US-amerikanischen Journalistin Anne Nelson über die „Rote Kapelle“, 2010 auch in deutscher Übersetzung. Die britische Kulturwissenschaftlerin Joanne Sayner widmete Kuckhoff eine erste umfangreiche Einzelstudie mit dem 2013 publizierten Buch "Reframing Antifascism. Memory, Genre and the Life Writings of Greta Kuckhoff". Im Mai 2012 verlegte der Künstler Gunter Demnig einen Stolperstein im Gedenken an Greta Kuckhoff in ihrer Geburtsstadt Frankfurt (Oder).


Foto: Premiere des DEFA-Films „KLK an PTX – Die Rote Kapelle“ im Ostberliner Filmtheater „Kosmos“, 25. März 1971. Greta Kuckhoff (M.) bei dem Besuch einer kleinen Ausstellung mit persönlichen Gegenständen von antifaschistischen Widerstandskämpfern im Foyer des Kinos. Neben ihr die Schauspielerin Barbara Adolph (li.), die sie im Film verkörpert, und der Minister für Staatssicherheit Erich Mielke (re.), dessen Ministerium für den Film „Produktionshilfe“ leistete.

Quelle: Gerbergasse 18 / Ausgabe 4 / 2018: 32-35.

Donnerstag, 21. April 2022

Der neue Vortrag: Tritonen. Die Universalität der Menschenrechte - Wie werden sie in Diktaturen verletzt? Gehalten am 22. März 2022 an der Friedensschule in Münster (überarbeitet, Stand 23.05.2022)

 Lesezeit: 30 Minuten

Ost-West-Treffen in Böhmen 1983
v. l. n. r  Jürgen Ertel, Lennon, Simone, 
der Autor, Gudrun Ertel, Heike Hering.
                        Foto: Helmut Möckel                               

                                     v.l.n.r. der Autor, Gudrun Ertel, Heike Hering,                             
Helmut Möckel
Foto: Hartmut Gruber

Von der Adenauer-Stiftung (NRW) beauftragt,  hielt ich am 22. März 2022 am Bischöflichen Gymnasium "Friedensschule" in Münster einen Vortrag (auch) zur Lage,

https://www.kas.de/de/web/westfalen/veranstaltungen/detail/-/content/die-universalitaet-der-menschenrechte-und-ihre-verletzung-in-der-ddr

Neben der Resonanz durch die Westfälische Zeitung

https://www.wn.de/muenster/stadtteile/mecklenbeck/liebe-uberwindet-alle-grenzen-2552378

fühle ich mich vom Feedback aus dem akademischen Freundeskreis verstanden. 

"Lieber Axel,

ich fand deinen Vortrag bemerkenswert. - Du stellst gute Bezüge her und hast gut recherchiert. Das umgangssprachliche Schlüsselwort "irre" zieht sich wie ein Leitfaden durch den 1.Teil deines Textes. Dein Bezug am Anfang zur Friedensschule in Plauen als Aufhänger in der aktuellen Situation gefiel mir auch. - Sehr logisch stellst du als Zeitzeuge der DDR-Diktatur und als DDR-Flüchtling Bezüge zur Putin-Diktatur her (nach Stalin und Lenin.)Demokratie, Frieden und  Solidarität sind und werden wichtiger denn je. - Für dich eingenommen hat mich am Schluss auch dein  Foto, als ihr euch in Karlovy Vary 1983 getroffen habt. [hier ist das Foto w.u. gemeint]

Die Geflohenen und die Gebliebenen.

(...)

Kerstin M. (Lehrerin an einem Berliner Gymnasium, Dipl. päd., Karl-Marx-Universität Leipzig und Lomonossow-Universität Moskau)

***

"Ich finde an Deinem Vortrag gut,  dass Du einen persönlichen Bezug  zu dem Thema herstellst, also aus eigener Erfahrung sprichst und nicht  ins Allgemeine abdriftest. Du stellst also aus eigenem Erleben, den Alltag mit allem Opportunismus, der Bürger in einer Diktatur, dar. Die Wut der Überangepassten gegen alle, die gegen die Einschränkungen in einem totalitären Staat aufbegehren. 

Vielleicht ein Zeichen der Paranoia, die Angst ihre Identifizierung mit dem Unrechtsstaat könnte durch andere Meinungen ins Wanken geraten.- Du bringst gute Beispiele zum Thema. Voltaire. Ein passendes Zitat von Dirk Sager, "Wer in die Zukunft sehen will, muss in die Vorgeschichte blicken". - Und natürlich die eigenen Erfahrungen im Stasi-Knast. - Gut dann auch der Übergang auf die aktuelle Situation. Der Verweis auf die innere Notwendigkeit eines totalitären Staates Kriege anzuzetteln."

Dietrich H. (Literaturwissenschaft, Dipl. FU-Berlin) 

***

"Lieber Axel,

ich hatte nun Gelegenheit, Deinen Vortrag zu lesen.
Ein großer Wurf. Wort gewaltig, mit sehr guten Beispielen,
authentisch und, wie immer bei Dir, sehr gut formuliert.
Und ein hervorragendes Ende. Dein abschließender Gedanke
ist Dir ebenfalls bestens gelungen. Großartig.

Herzliche Grüße aus dem ***Kiez,
Alexander von R. (Drama, M.A., Buffalo State University New York)


Und hier ist der Vortrag. ("Gute Unterhaltung!")


Tritonen. Die Universalität der Menschenrechte - Wie werden sie in Diktaturen verletzt?                                   

Ich ging auch auf  die Friedensschule, auf die in Plauen, im Vogtland, in einer Zeit, die in den Geschichtsbüchern als Kalter Krieg eingeordnet ist, ein breiter Konfliktherd, in dem auch geschossen wurde. Irre Kugeln verrückt gemachter Grenzsoldaten an der innerdeutschen Grenze, an der Berliner Mauer, in den sogenannten „Grenzgebieten“ oder im Abschnitt „Buchenwaldschlucht“, im Harz, da waren es einundfünfzig Schüsse aus einer Kalaschnikow auf einen Fünfzehnjährigen[i],  wofür es irre Prämien und Sonderurlaub gab. Im irren Grenzabschnitt in Bulgarien zu Griechenland, erhöhte sich die irre Prämie  auf irre eintausend Mark, abzuholen in der schandvollen Botschaft der DDR in Sofia. Selbstredend ohne Einspruch vom Ostberliner Komitee zum Schutze der Menschenrechte gegen militaristische Willkür und Klassenjustiz in Westdeutschland.           

Ja, es musste alles demokratisch aussehen, aber sie mussten alles in der Hand haben, wie Wolfgang Leonard in seinem Buch, „Die Revolution frisst ihre Kinder“, bezeugt. Die Gesellschaft wurde in keine Entscheidung des SED-Staates einbezogen. Ist das nicht irre?  Und so fragte ich mich, all dies wissend, als Jugendlicher, wie ist es aber vielleicht doch noch möglich, auch in einer Diktatur schön zu leben - und für eine angenehme Zukunft zu sorgen. Wenn das doch nur geht, „wenn  ich mit andren auf der derselben Stufe agieren kann“[ii]. Und auf wessen Kosten? Und wie oft frage ich mich noch heute: Was hilft jetzt? Was hilft dir jetzt genau? „Kopf einschalten“, lautete der Standardspruch meines ältesten Bruders Hans-Jörgen.                                                                                                             Schwer zu glauben, denke ich, angesichts der rasenden Massen gegen die sogenannte „Brühe“, aber wie sauwohl müssen die sich doch wenigstens in ihrer irren Wut fühlen? Und ich bin wieder der Blöde und fühle mich bei diesen Bildern ganz und gar unwohl. Ok, denke ich, bin ich eben nicht so geprägt. Dabei prägt uns, was uns umgibt. Zur Mauer in Berlin sagte man Schutzwall und  der Schutzwall schützte die Welt vor dem 3. Weltkrieg. Da haben wir‘s. Die Welt! Es ging, wie für Putin heute, immer um die ganze Welt! Und damit es in den Köpfen sitzt, wurde pausenlos geschmäht, was nicht in den Kram passte, angestimmt wurde  ein Lob des Hasses auf den Westen! Und was vielleicht kaum einer weiß: die Schule in der DDR gehörte zu den militärischen Kampfeinheiten der Nationalen Volksarmee (kurz NVA). Wer all das lobte, war nicht doof und hatte seine Karriere sicher. „Die irre Sch**e macht doch keiner mit , sagte Drähte, auch ein Schüler der Friedensschule, malte ein paar dünne Hakenkreuze und verpflichtete sich zu fünfundzwanzig Jahren NVA-Dienst an der blutigen innerdeutschen Grenze.                                                          

Der Schießbefehl sagte zwar, auf Diplomaten schießt man nicht, aber wie unterscheiden sich Menschen im Dunkel? Zu wissen, was seit Menschengedenken verachtet wird und es der Karriere zuliebe doch zu tun, daran sollte man nach den jahrelangen Agitation-und- Propaganda-Shows, jeden Montagen vor der ersten Stunde, nichts mehr merkwürdig finden. Dass der Staat genau dann fördert, war typisches DDR-Glück. Heute ermorden zehntausende russische Soldaten und Söldner die Menschen in der Ukraine. Das ist unser aktuelles Thema, dass uns seit dem Überfall auf die Ukraine mehr als irre beschäftigt.                                                                               

Als ich Drähte Jahre später in der „Klause“ des Plauener  „Ratskellers“ wieder traf, saß mir ein adretter Offizier gegenüber, an dessen Uniformjacke Ordensspangen und die Affenschaukel prangten, die Mütze akkurat neben sich auf dem Tisch, und der jetzt voller irrer Wut war auf diesen jungen Typen am Tisch, im feindlichen US-Shell-Parka, in den 501-Bluejeans und den Bergen von Locken.  Und so musste er es sagen, wie irre wütend ihn alle mit ihren Fluchtversuchen machten . Und seine irre Wut packte er in ein irres Bekenntnis, falls ich das auch vorhabe: „Dann rotz ich dich ab! Du weiß, dass ich dort stehe und bei Nichterfüllung des Schießbefehls mir selber schade!“[iii]                                                  

Müsste ich darüber nicht auch irre wütend sein? Und wie rechtfertige ich  mein Nicht-Wütend-Sein?  Drähtes Worte lösten nicht das Geringste in meinem persönlichen Alarmsystem aus, auch die persönliche Offstimme schwieg. Ich erhob mich, wartete mit meinem Bruder weiter auf die Platzierung, sagte ihm, was war, und musste mich irgendwie verhört haben, denn er antwortete mit gekränkter Stimme, er wolle nichts mehr mit mir zu tun haben.

Acht Jahre später wird er seine Läuterung von der Diktatur erfahren. Sie rückte das Bild des älteren Bruders und Vorbildes wieder zurecht. Der Anlass gebende Schmerzpunkt erfasste jedoch die ganze Familie. An Pfingsten 1987 erlitt der mittlerer Bruder Ralf auf dem Weg zur ausgehenden Spielzeit in Regensburg einen vermeintlichen Unfall. Zwei Stunden rangen die Ärzte des Uniklinikums Nürnberg um den eingeflogenen Schwerverletzten mit dem Tod.  Bis zu seiner Verhaftung, Haft  und Freikauf, spielte Ralf von 1979 bis 1984 am Theater Rudolstadt durchweg positiv besprochene Hauptrollen. Die Antworten der von mir  2007 befragten Stasimajore Karl-Heinz Schrodetzki und Alexander Rohrbach (Kreisdienststellen Rudolstadt/Saalfeld) brachte der Rezensent Udo Scheer in der Zeitschrift Bundesarchiv (Ausgabe 2/2008) auf den Schmelzpunkt: "Für sein Rundfunkfeature „Der Tod meines Bruders. Rekonstruktion eines vermeintlichen Unfalls“ sprach der Autor auch mit früheren Schauspielkollegen des Bruders und Stasi-Offizieren. Ein vom MfS gedeckter Mord scheint nicht mehr ausgeschlossen." Als Hans-Jörgens Teilnahme an Ralfs Beerdigung von der Bezirksverwaltung der Staatssicherheit Dessau dem zuständigen Amt für Reiseangelegenheiten nicht empfohlen wurde, stellte er Stunden später einen Antrag auf Familienzusammenführung nach Berlin-West. Die  Antragsgenehmigung im Herbst 1989 umwehte zweifellos derselbe geheime Schleier einer morbiden Ironie, die schon Pfingsten 1987 ihre „Lichter“ aufsetzte und auch Putins Gebrauch des Buchstabens "Z" a la Räuber und Gendarm co-kreiert haben dürfte. 

Sicher, das sage ich mir des Weiteren heute und weiß es besser:                                                             

für Jahrgang 1947, und selbst auf der Karriereleiter, waren die                                                      

Bandagen härter. Ich ahnte die unterschiedlichsten  Prämissen                                                            

seiner Wut. Versteckte diese Wut nicht eine ganz andere Sache,                                                            

eine ganz bestimmte Wahrheit, eine unveräußerliche Wahrheit,                                                              

vor einen selbst? Sehr sorgfältig, sehr geschickt, verbergend,                                                                

was mit den Gewitterstimmen des Gewissens über mich herfallen                                                    

könnte, und zwar umso erbarmungsloser, umso mehr ich aus                                                      

Selbstsucht der allgemeinen Vernunft zuwider handle?  

Wenn ja, nenne ich es den enthaupteten Dialog. Und so stand mein Bruder für mich, der seinen Kopf gern in die Arbeit der französischen Aufklärung steckte, plötzlich - Heiliger Voltaire! -, in jenem Augenblick von dem Kopf enthauptet da, den man doch „einschalten“ sollte.

Und ich schaute auf eine blutige Spur 

Für mich also an dieser Stelle passend, bemerkte im Jahr 1878 der Journalist und Redakteur Albert Fränkel in der damals berühmten Zeitschrift, „Die Gartenlaube“, zur wütenden wie kopflosen Schändung Voltaires: „In einer Mainacht des Jahres 1814, kurz nach der Rückkehr des bourbonischen Ludwig des Achtzehnten, fuhr an der schönen und geschichtlich denkwürdigen Genoveva-Kirche in Paris ein geschlossener Wagen vor, aus dem zwei Männer stiegen. Bei ihrer Ankunft öffnete sich leise eine Thür der Kirche; sie traten ein, kehrten aber schon nach kurzer Zeit mit einem gefüllten Leinwandsack zurück, den sie vor sich in den Wagen legten, welcher hierauf eilig mit ihnen davon jagte. Die Straßen waren um diese Stunde schon ziemlich verödet, Paris lag bereits im Schlummer, oder hing im Innern der Häuser seinen nächtlichen Zerstreuungen nach, die stumm und in scheuer Hast sich abspielende Scene auf dem Genoveva-Platze war unbemerkt geblieben. Der Wagen fuhr nach einem wüsten Abladeplatz bei Berey, wo fünf Männer seiner harrten, die schweigend eine mit ungelöschtem Kalk gefüllte Grube umstanden. In diese wurde sofort der unheimlich durcheinander klappernde Inhalt des Sackes ausgeschüttet und hier schnell von der Zerstörungskraft des Kalks verschlungen, während der eine von den zwei aus Paris gekommenen Männern die Ceremonie mit einem herzhaften Fluche beschloß. Dann schaufelte man sorgfältig die Erde wieder zu, und nur ein Eingeweihter hätte am nächsten Morgen die Stelle des Bodens bezeichnen können, auf welcher eine schnöde Unthat sich vollzogen hatte. Die Geschichte der Menschheit aber hat alle Ursache, den Vorgang dieser Frühlingsnacht mit unauslöschlichen Zügen in ihr Erinnerungsbuch zu schreiben. Denn es handelte sich dabei nicht um einen Exceß gewöhnlicher Privatleidenschaft, sondern um einen berechneten Handstreich roher Feindseligkeit gegen pietätsvolle Empfindungen der gesammten civilisirten Menschheit, es war an stolz gehüteten Heiligthümern des französischen Nationalgeistes eine verbrecherische Schändung verübt, es waren die Spuren denkwürdiger Geisteshelden, die Gebeine eines Voltaire, [eines der größten Lehrer der Freiheit und der Menschrecht]aus ihrer Ruhe gerissen und in dieser beschimpfenden Weise vernichtet worden. (…) Aber die Rettung [jedenfalls für die Gesellschaft] kam, und sie kam aus dem erwachenden Denken, als schon in den letzten Tagen des vierzehnten Ludwig das künstliche Gebäude des Despotismus in sich selber zu wanken begann. Seine schwächer gestellten Nachfolger mußten die Zügel lockern und auch durch Förderung des Gewerbefleißes die versagenden Erpressungsquellen für ihren ungeheuren Geldbedarf zu stärken suchen. Dadurch kamen die arbeitenden Leute zu Wohlstand und Selbstgefühl. Noch ein kurzes Weilchen, und inmitten der Gesellschaft hatte sich ein neuer, der sogenannte dritte Stand herausgebildet, das erstarkte Bürgerthum, in dem sich eine reinere, von der oberen Fäulniß noch nicht angefressene Sittlichkeit mit tieferer Intelligenz, mit einem leidenschaftlichen Durste nach Wahrheit und nach ihrer muthigen Bezeugung verband“[iv].                                                                      

Gesetzt dem Fall nämlich, Menschenrechte sind Vernunft, zum Beispiel eine andere Meinung vielleicht nicht zu teilen, aber zuzulassen, offenbarte sich uns gerade dadurch die Möglichkeit eines profitablen Dialogs, von dem wir Menschen also von Anfang Nutznießer waren? So heißt es im dreitausend Jahre alten Psalm 54: „Gott, mach deinem Namen Ehre und hilf mir!/ Verschaffe mir Recht durch deine Kraft!(…) Menschen, die ich nicht kenne, fallen über mich her./Sie schrecken vor keiner Gewalttat! zurück,/ja, sie trachten mir nach dem Leben.“                                                            

Ein Schlüsselwort, das für die heutige Zeit wie geschaffen scheint und wir wie Zeitreisende uns die Augen  reiben. Denn ein Blick auf die Entwicklung der irren Wut des heutigen Kriegstreibers Putin, auf die omnipotente Wut eines veritablen Dämons, ist nun ebenso notwendig wie die unveräußerlichen Menschenrechte dagegen zu Felde zu führen (sind sie doch wesentlich zukunftsorientierter als Krieg).                                                                                             

Und von diesem Gesichtspunkt aus mahnt uns der langjährige Leiter des ZDF-Büros in Moskau, Dirk Sager, in seinem Buch „Pulverfass Russland. Wohn treibt die Großmacht“, aus dem Jahr 2008, auch völlig zurecht: „Wer in die Zukunft sehen will, muss auf die Vorgeschichte zurückblieben.“ Vielleicht müssen es nicht, aber wir tun es.                                                                                      

Im Prolog der gekürzten einbändigen Ausgabe seines Welterfolges "Der Archipel Gulag" schreibt Alexander Solschenizyn: "Im Jahre 1949 etwa fiel uns, einigen Freunden, eine bemerkenswerte Notiz aus der Zeitschrift 'Die Natur', herausgegeben von der Akademie der Wissenschaften, in die Hände. Da stand in kleinen Lettern geschrieben, man habe bei Ausgrabungen am Fluß Kolyma eine unterirdische Eislinse freigelegt, einen gefrorenen Urstrom, und darin ebenfalls eingefrorene Exemplare einer urzeitlichen (einige Jahrzehntausende zurückliegenden) Fauna. Ob’s Fische waren oder Tritonen: der gelehrte Korrespondent bezeugte, sie seien so frisch gewesen, daß die Anwesenden, sobald das Eis entfernt war, die Tiere MIT GENUSS verspeisten. Die keineswegs zahlreichen Leser der Zeitschrift waren wohl nicht wenig verwundert zu erfahren, wie lange Fischfleisch im Eis seine Frische zu bewahren imstande ist. Doch nur einzelne vermochten den wahren, den monumentalen Sinn der unbesonnenen Notiz zu erfassen. Wir begriffen ihn sofort. Wir sahen das Bild klar und in allen Details vor uns: Wie die Anwesenden mit verbissener Eile auf das Eis einhackten; wie sie, alle hehren Interessen der Ichthyologie mit Füßen tretend, einander anstoßend und vorwärtsdrängend, das tausend Jahre alte Fleisch in Stücke schlugen, diese zum Feuer schleppten, auftauen ließen und sich daran sättigten.                                                                           

Wir begriffen es, weil wir selbst zu jenen Anwesenden gehörten, zu jenem auf Erden einzigartigen mächtigen Stamm der Seki, der Strafgefangenen, der Lagerhäftlinge, die allein es zustande brachten, einen Triton MIT GENUSS zu verspeisen." Am 12. Dezember 2016 hielt ich aus Anlass der Verleihung der „Solidarność-Dankbarkeitsmedaille“ im Europäischen Solidarność-Zentrum (ECS) in Gdansk folgende Dankbarkeitsrede[v]: „[…] die ‚Ausrufung‘ der Protestaktion gegen das Kriegsrecht und für die uneingeschränkte Zulassung der Solidarność, geschah in einem Gefängnis das vom Ministerium für Staatssicherheit indirekt verwaltet und fest in den Transaktionen der für die Staatsdevisen der DDR verantwortlichen Kommerziellen Koordinierung, kurz: KoKo, verankert war. Sie begann mit handgeschriebenen Aufrufen am 14. Dezember – und erreichte ihren Höhepunkt am 17. Dezember 1981. Das Gefängnisregime war durch Zellenspitzel vom ersten Tag an vorbereitet. Am 17. Dezember erwartete die Arbeitskommandos  in der Speisebaracke eine Hundestaffel. Essen! wurde befohlen. Die Listen aller Verweigerer gibt es: sie werden der Forschung durch die Behörde für die Unterlagen der Staatssicherheit nur geschwärzt zur Verfügung gestellt.                                                                               

Während jener vier Tage war das Haftpersonal bewaffnet und lungerte in Scharfschützenmanier auf den Dächern. Wir blickten einander an und die Frage lautete, ob sie schießen. Die Antwort überrascht am Ende vielleicht nicht einmal, aber ich muss gestehen, dass mich die Möglichkeit, einer von  dreihundertfünfzig niedergeschossenen politischen Häftlingen zu sein, auch heute noch etwas nervös macht.                                                                      

Doch es hat sich alles gelohnt.                                                         

Der beeindruckende Kampf der Solidarność um Freiheit, Unabhängigkeit und Wohlstand mündete nicht nur im Untergang des hermetischen Ostblocks sondern es erneuerte grundlegend die Europäische Union. Den klugen Köpfen der Solidarność war es aus staatstheoretischer Sicht klar, dass Polen, an seiner Westgrenze ein wieder vereintes Deutschland und keine stalinistische DDR‘ braucht. So steht es in den Sonderberichten der Verwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR vom 12. Dezember 1981. Und weiter dort „Fernziel des [“Komitees zum Schutz der Arbeiter” für inhaftierte Dissidenten, kurz]: KOR ist die Eingliederung der Volksrepublik Polen in ein vereintes Europa mit einem wieder vereinten Deutschland.“ Das ist nun alles so geschehen. Die ebenfalls notierte „Überzeugung…dass die Entwicklung in Polen auch auf die DDR übergreifen wird“,  hat sich dagegen nicht bestätigt. Gewiss lagen vielen Menschen in der DDR die August-Ereignisse 1980 am Herzen, am Ende traten zu wenige dafür ein. Auch die friedliche Revolution 1989 in der DDR bekannte sich kaum zu ihrem Vorbild Polen. Deshalb ist es auch kaum verwunderlich, dass der von seiner Anzahl größte Protest in der DDR gegen das Kriegsrecht in Polen ausgerechnet in einer DDR- Strafvollzugseinrichtung stattfand. Nirgends im Land war das Wort so frei als im politischen Gefängnis.                                                                                            

Und auch die Antwort auf unsere Frage ist moderner denn je: Die KoKo, die von Honecker 1966 gegründete Kommerzielle-Koordinierung, war unermüdlich damit beschäftigt, harte Weltmartktwährung, Devisen genannt, in die ewig klammen Kassen der DDR zu spülen. Dazu gehörte auch der frei verkaufbare unbekannte politische Häftling (offiziell durfte es den ja nicht geben).                                                                                                  

Aktenkundig sind zwar Gespräche zwischen der Gefängnisleitung und dem zentralen Operativstab der Stasi über den praktischen Einsatz einer bewaffneten Truppe.  Doch welcher praktische, vernunftbegabte Mensch schießt eine Ware im Geld-Wert von 95.847 mal 350, das sind 33.546.450 Valuta, über den Haufen?  Der Chef der Kommerziellen Koordinierung, Schalck-Golodkowski, dessen Vater bereits ein guter Rechner beim russischen Zaren gewesen ist, dürfte sich, hoch oben, im Sitz der KoKo, im 23. Flur des Internationalen Handelszentrums an der Friedrichstraße, die Haare gerauft haben – und da wurde eben nicht geschossen!             

Schon für Marx war „in Wirklichkeit die treibende Kraft die Beziehung des Menschen zur Materie und das wichtigste daran seine Produktionsweise. Dadurch [wurde] der Marxsche Materialismus in der Praxis [ja] zur Wirtschaftslehre.“ [vi]

Aber auch aus anderen Gründen wird weiter nach Marx gegriffen, in Opportunitätserwägungen einbezogen, um unablässig zu schmähen, was nicht den Beschreibungen des eingeübten Standpunktes entspricht. Bis heute ist „die Rechte nicht eben ein leuchtendes Vorbild. Aber die Linke ist schizophren“[vii] geblieben. Ihr fehlt weiterhin die „Festigkeit der Überlegung und auch ein wenig Bescheidenheit“, stattdessen ergeht sie sich in „eingebildeten Gewändern“[viii]Man muss seine Zeit wie einen Erwachsenen betrachten, das heißt ohne voreingenommene Sympathie oder Antipathie. Das heißt nach den Maßstäben der Kritik und der Vernunft.                                                                                                Möge diese Medaille also auch Gruß und Zuspruch für alle sein, die verstehen wollen und nicht richten, die für eine gerechte Gemeinschaft kämpfen und für Wahrheit und Freiheit gewaltlos im Einsatz sind. […]“                                       

Wir verweilen noch etwas in unserem hübschen Gefängnis. Bernd "Egon" Möller traf ich das erste Mal in der Speisebaracke unseres Gefängnisses. Von Beruf und in Sträflingskleidung als Elektriker eingesetzt, erhielt er vom 1. Strafsenat des Bezirks Karl-Marx-Stadt eine Gefängnisstrafe von drei Jahren wegen Besitz und Verleih der dreibändigen Ausgabe  des "Archipel Gulag". Zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung lag die monatelange Tortur der Untersuchungshaft der Staatssicherheit auf dem Kassberg bereits hinter ihm. Einst in ganz Europa berühmter Gründerzeitbezirk, war der Kassberg zu einem berüchtigten Unterdrückungsort der SED-Diktatur geworden. Zur selben Zeit wie Egon befand auch auf dem Kassberg, Zelle 29. Gab es kein Verhör, las ich oder spielte Schach und zwar via Klopfzeichen gegen die Wand mit dem unsichtbaren Zellennachbarn in Nr. 30. Wir bekamen uns zwar nie zu Gesicht, aber wir klopften uns ja unsere Namen, biografischen Details und so manches unvergessene Alltagserlebnis in der DDR oder was die DDR in Atem hielt. 

Das waren damals, vor dem europäischen Erdbeben des Sommers 1980 in Polen, die Abendstunden des 09. März 1980 gewesen. Zwar verursachte der Sprengstoffanschlag auf das sowjetische Panzerdenkmal in Karl-Marx-Stadt nur geringfügige Schäden, und der Attentäter Kneifel war längst in Haft, doch der symbolische Schaden, überhaupt angreifbar zu sein, sorgte für eine längerfristige Unruhe in den ersten politischen Reihen. Dies war so vor allem, weil ständig Nachahmungstäter gefürchtet wurden wie ihnen täglich eine Rückkehr des 17. Juni 1953 vor Augen stand. (Nicht umsonst fragte Erich Mielke seine Genossen angesichts der von der demonstrierenden Bevölkerung in Besitz genommenen Straße: "Haben wir jetzt den 17. Juni?") 

Nun, so kam es, dass "Egon" an einem dieser Tage, für ihn ein Arbeitstag, mit einer eingewickelten Batterie samt batteriebetriebenen Drähten den Platz des Panzerdenkmals querte und von hinter Zeitungen hervorspringenden Männern niedergerissen auf die Nase fiel. Da sich das MfS schwerlich die Blöße eines Fehlers gab, behielten sie ihn im Auge, schnüffelten in seinem Freundeskreis und entdeckten den verbrecherischen Büchertausch; und wir tauschten nun über Klopfzeichen unsere Lebensdaten aus und fanden sogar eine gemeinsame Bekannte, die kosmisch schöne Mareile, aber hauptsächlich spielten wir Schach. 

Selbstverständlich glaubte ich nicht, dass ich „Egon“ einmal wirklich gegenüberstehe. Als es dann in der Speisebaracke im Gefängnis in Cottbus doch genau zustande kam, schweißte uns das wie in einer Familie zusammen. Neben ihm, auf dem Ablagetisch, lag die Tagesausgabe der "Jungen Welt". Der Schwerpunkt eine Schmähtirade gegen die im Westen gebliebene "Verräterin" Veronika Fischer. Die göttliche Vroni genoss die Freiheit! Wir witzelten herum. Warum nannte sich die Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands eigentlich nicht Sozialistische Einheitspartei der DDR? Natürlich wusste jeder genau, dass dies dem deutsch-deutschen Alleinvertretungsanspruch Ostberlins DDR zuwiderlaufen würde. Es ging ja ständig um die Kassierung West-Berlins und Westdeutschland sollte mit NVA-Panzern niedergehalten werden. Ein Anspruch, den wohl auch Putin im Sinne der Wiederherstellung der mächtigen alten Sowjetunion umtreibt. 

Alleinvertretungsanspruch“.

Der befreundete Autor, Dipl.-Physiker und Jude Gabriel Berger, schreibt am 19.03.2002 auf Facebook: „In seinen Reden vor dem Überfall auf die Ukraine am 21.02.2022  und am 23.02.2022 hat sich Putin deutlich von Lenin distanziert, dem er nachsagte, durch seine Nationalitätenpolitik einen Sprengsatz an die Sowjetunion angelegt zu haben. In die Verfassung der Sowjetunion hat Lenin nämlich 1922 gegen den Widerstand von Stalin den Passus aufnehmen lassen, jede nationale Republik der Sowjetunion habe das Recht, den Verband der Sowjetunion zu verlassen. Unter Berufung auf diesen Verfassungsartikel seien die Republiken 1991 aus der Sowjetunion ausgetreten, was zu deren Zerfall geführt habe, was laut Putin „die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts“ gewesen sei. Stalin dagegen habe von vornherein die Möglichkeit des Ausscheidens der Republiken ausschließen wollen, sich aber gegenüber Lenin nicht durchsetzen können. Aus genannten Gründen gibt es im heutigen Russland keinen Lenin-Kult mehr, während Stalin immer stärker rehabilitiert und verehrt wird.  Die Verehrung Stalins hat aber heute nichts mit egal welcher Variante des Bolschewismus oder Marxismus zu tun. Stalin wird verehrt, weil unter seiner Herrschaft die Sowjetunion, also das russische Imperium, zur Weltmacht aufgestiegen ist. Das Ziel Putins ist, zumindest in dieser Beziehung, Stalin nachzueifern und Russland wieder zu einem Imperium mit Weltgeltung und Welteinfluss zu machen. Weil dieses Ziel von Russland nicht wie von China durch die Wirtschaft zu erreichen ist, versucht das Russland durch eine überdimensionale Militärmacht.“  

 Am 02.06.2018 meldet das "Handelsblatt": "Die Russen nähern sich der 'Glückssträhne' – meint Wladimir Putin. Der russische Präsident sieht in seinem TV-Marathon Russland im Aufwärtstrend, von dem aber noch nicht alle profitieren. Und er droht der Ukraine."                                             

So wie Putin seinen Landsleuten, die nicht so wollen, wie er will, mit „Säuberungen“ droht. Soweit von Stalinschen Säuberungen bekannt ist, jene dabei hochkommende Periode der sowjetischen Geschichte, in der politisch „unzuverlässige“ und oppositionelle Personen massiv verfolgt und ermordet wurden. Die Gesamtzahl der Opfer reichen nach Schätzungen von Historikern von mindestens 3 Millionen Toten bis weit über 20 Millionen. Der Zustand Glücks erfährt dabei eine völlig neue Dimension.                                           

In seinen berühmt gewordenen "Erzählungen aus Kolyma" schreibt der verurteilte Jurist und König der Gulag- Literatur, Warlam Schalamow : "[...] Krist traf Miroljubow auf dem Dampfer »Kulu« – der fünften Fahrt der Schiffahrtssaison von 1937. Der Überfahrt ‚Wladiwostok -   Magadan‘. Der Leibarzt des Fürsten Gagarin und Vitautas Putnas grüßte Krist kühl – Krist war ja Zeuge seiner inneren Schwäche, einer gefahrvollen Stunde in seinem Leben gewesen und hatte ihm, so empfand es Miroljubow, in einem schweren, todgefährlichen Moment nicht geholfen.                            Krist und Miroljubow drückten einander die Hand.                          »Ich bin froh, Sie lebend zu sehen«, sagte Krist.                                »Wieviel?«                                                                                            »Fünf Jahre. Aber Sie verhöhnen mich. Ich bin ja vollkommen unschuldig. Und dann fünf Jahre Lager. Die Kolyma.«                    »Ihre Situation war sehr gefährlich. Lebensgefährlich. Das Glück hat Sie nicht verlassen«, sagte Krist.                                                    »Gehen Sie zum Teufel mit solchem Glück.«                                     Und Krist dachte: Miroljubow hat recht. Das ist ein allzu russisches Glück – froh zu sein, wenn ein Unschuldiger fünf Jahre bekommt. Denn er hätte ja zehn bekommen können, sogar den Tod.[…]"    

Und aus der Ukraine werden aktuell tausende, zehntausende Menschen auf russisches Gebiet verschleppt und womöglich der alten Welt des Archipel Gulag und ihrer Hungerpeitsche überlassen. 

Im Wintersemester 2011/12, las ich, gab es an der Uni Saarland die Übung: „Die größte geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts? Glasnost, Perestrojka und der Zerfall der Sowjetunion (1991)". In der Ankündigung heißt es:  „Am 25. April 2005 bezeichnete der russische Präsident Vladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion [die Großmacht-Diktatur ihrer Zeit] in seiner Rede vor den Mitgliedern der Föderationsversammlung als 'die größte geopolitische Katastrophe' des 20. Jahrhunderts. Der russische Staatschef ließ somit seiner Sehnsucht nach dem untergegangenen kommunistischen Imperium freien Lauf und äußerte eine Meinung, die sowohl in Russland als auch im postsowjetischen Raum noch 20 Jahre nach diesem historischen Ereignis weit verbreitet ist.“         

Im dem Jahr 2008 veröffentlichten Buch „Pulverfass Russland. Wohin steuert die Großmacht?“ heißt es im Klappentext: "Der Kreml hat die Demokratie ausgehöhlt und im Land eine Atmosphäre geschaffen, in der die jüngsten Morde an Regimegegnern wie [der Journalistin] Anna Politkovskaja überhaupt erst möglich wurden. Während der Geheimdienst FSB nach innen für Ordnung sorgt, verkörpert der Gasprom-Konzern, der die Kontrolle über die globalen Rohstoffmärkte anstrebt, nach außen den russischen Anspruch auf Weltgeltung. Um jeden Preis trachtet das Land danach, auf die Bühne der Supermächte zurückzukehren.“ Des Weiteren wird das Versprechen gegeben, dass Sagers Buch zeigt, was hinter Moskaus Machtspielen steckt.                            

Das erste Kapitel des Buches heißt (und stellt wohl die gerade heute, auch an diesem 22. März 2022, in dieser modernen Aula in der Studentenstadt Stadt Münster, die uns aus den gegebenen Gründen beherrschende Frage) „Was treibt Putin an?“ Dazu schreibt Dirk Sager: „Aufstieg und Niedergang, Hoffnung und Desillusionierung – wie in einem Malstrom wirbelt Rußland zwischen den Polen der Extreme: Moskau als ‚Drittes Rom‘ oder eine Hölle auf Erden (…)  Es war [aber] keineswegs von der Geschichte determiniert, dass aus den Ruinen der Sowjetunion keine Demokratie erwuchs. Schließlich wird in Moskau, aber auch im Westen, im Disput über gegenwärtige Verhältnisse eine Haltung vertreten, der zufolge die Kritik am System als unangemessenen Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes gilt. Doch falsche Zurückhaltung würde ein Reinfall in die Zeit vor den siebziger Jahren bedeuten, als sich das östliche und westliche Lager im Kalten Krieg zaghaft um "Wandel durch Annäherung" bemühten.                                                

Auf der Konferenz von Helsinki 1975, wo sich die Regierungschefs und Staatspräsidenten und Staatspräsidenten Europas versammelt hatten, wurde eben nicht nur über ein System der gemeinsamen Sicherheit und die Verbesserung des Handeln diskutiert, sondern auch über  Menschenrechte. Teile der russischen  Zivilgesellschaft fanden sich schon damals zusammen und beriefen sich auf die Beschlüsse dieser großen Ost-West-Konferenz. (…) Im Jahre 2000 erläuterte der noch junge Präsident Putin auf der Pressekonferenz in einem nach den Maßen der Bescheidenheit gestalteten Raum im Kreml, "geduldig, weshalb es zwingend sei...um die zentrifugalen Kräfte im Riesenreich zu bändigen,  die 'Vertikale der Macht' zu stärken. Vertikale der Macht - das wurde das Schlüsselwort für die Ausrichtung aller politischer Macht-Strukturen im Land auf den Kreml. (…)" Dabei „hat Putin selbst demonstriert, wie sich mit festem Blick aufs Ziel und wohlüberlegter Taktik“ (zum Beispiel zur Zeit des Vernichtungskrieg gegen  Tschetschenien gleichzeitig auf internationalen Konferenzen als Friedensengel mit verblüffenden Erklärungen trotz alle berechtigter Vorwürfe zu brillieren) „auch in kürzester Amtszeit die demokratischen Grundstrukturen eines Staates demonstrieren lassen.“                     

Am 06.03.2022 schreibt Christoph Kunkel im SPIEGEL, was Putin wohl antreibt,  „Pinochets Militärdiktatur nannte Wladimir Putin 1993 als Leitbild. Und Zar Iwan der Schreckliche? Halb so wild. Offen pries der Kremlchef Monarchie und Autokraten – was auch deutsche Wirtschaftsvertreter beklatschten.“                                       

Am 24. Februar 2022 überfiel die Putin die Ukraine  und begann seinen lange vorbereiteten Krieg, der bereits Tausende von Ukrainern getötet und fast drei Millionen aus dem Land vertrieben hat.

Die Vertikale der Macht                                                          

Als wir im Gefängnis unsere Protestaktion vorbereiteten, war diese gerade gegen die „Vertikale der Macht“ gerichtet. Es ging uns, so indianerhaft es klingt, um den Sieg der fehlerhaften Demokratie über die bleierne Diktatur. An einem beispielhaften Nachmittag zuvor, in den Sommermonaten, diskutierten wir im staubigen Freihof, dessen Grashalme jeden Morgen von einem speziellen Häftlingskommando ausgerissen wurden, dass der iranische Rundfunk mit der Begründung die Bevölkerung ermutigte, Regimegegner zu denunzieren, weil niemand geschont werden dürfe und, falls nötig, müssten auch die nächsten Angehörigen, von denen, die abgekommen sind, an die Revolutionsgerichte übergeben werden.                                           

Auf unser Agenda ganz oben stand die Freiheitsbewegung in Polen, wobei immer wieder die Frage aufblitzte, ob von Seiten des Staates am Ende wieder zu den Maßnhmen der „Säuberungen" gegriffen würde.                                   

Ob Griechenland, Chile oder Argentinien, alle Nachkriegsdiktaturen schickten diesen Schrecken um die Welt. So standen wir im Freihof, im Gefängnis. Wind kam auf, wir schluckten Staubwolken, und spuckten Sand aus.  

Da erhob sich die Stimme des feisten Schließers  „Panzerplatte“  (wie er sich nur an uns herangeschlichen hatte?). „Nicht, dass wir das Mullah-Regime überaus gut finden,  aber das ist eben Führung und Disziplin gegen Entartung und Grenzenlosigkeit!“  

 Wir sahen uns an und ich überlege heute,  ob es auch „Panzerplatte“ war oder eher „Petrograd“ oder „Berija“ oder doch eher „Salonbolschewist“,  oder „Roter Terror“, oder „Arafat“, „Zitteraal“,  „Tellermine“ „Texaner“, „Onane“, „Urian“, „Würger“,  „Kjelt“, „Pfeffernase“, „der kleine Beckenbauer“, „Stalin“ selbst oder „Lachtaube“ am Ende gewesen ist, der über die Flure der Zellenbereiche, die Erziehungsbereiche hießen, vielleicht sogar betrunken, was vorkam, brüllte, vielleicht, um etwas Besonderes zu sagen: "Wenn ich Menschenrechte höre, zieh ich die Atombombe!" 

Kannte er Goebbels Erregungsschwall "Wenn ich das Wort Kultur höre, entsichere ich meinen Revolver"? Der war auch schon nicht eigener Art, sondern stammte aus dem Stück "Schlageter"  ("... entsichere ich meinen Browning"/1933), freilich ein Märtyrerschauspiel des Nationalsozialismus. 

Aber die Verantwortung der Kunst (jener großen Freundin der gewährten Grundrechte), nicht zu blenden, leuchtet in der Diktatur mit ihren ausweglosen Vorschriften weder Raum, Zeit, noch Erziehungsbereiche aus. 

„Aber“, wandte sich Lennon , 18 Monate für „Biermann“ mit Kreide an eine Hauswand, „Kopf tragend“ wie Kojak, fähig zum Hahnenruf wie Professor Unrat, und eben Sand im Mund, an „Panzerplatte“. „Während wir schon nächsten Montag oder an einem Montag in einem Monat oder erst an einem Montag in einem Jahr von hier auf Transport in die grenzenlose Freiheit gehen, werden sie niemals in ihrem Leben reisen können, wohin sie wollen. Sicher gibt es das Bolschoi-Theater, die Ermitage, den  Friedrichstadtpalast, die Olympischen Erfolge. Diese wunderschönen Sachen gibt es in ihrer Diktatur, aber sie erlaubt es ihren Menschen nicht, mit allen Menschen  darüber frei zu reden. Sie werden ständig auf die Strategien von Erich Honecker, Erich Mielke, Friedrich Dickel [dem Minister des Inneren, dem die Schließer unterstanden] und der Kontrollmacht  im Kreml abhängig sein, die keinen frei atmen lässt, ohne an sie zu denken, und notfalls den Chinesischen machen müssen. So zu leben ist für mich grenzenlose Unvernunft, wogegen in der Freiheit zu leben für mich das Vernünftigste auf Erden ist.“

                    
    v. l.n.r. Lennon, Simone, der Autor, Gudrun Ertel, Heike Hering.  Foto: H.M.

Zur aktuell aufkeimendem Hoffnung, Peking könne im Ukraine-Krieg Moskau zur Vernunft bringen, das mit der Kaperung des Atomkraftwerkes Tschernobyl längst die Welt atomar bedroht, konstatierten die Stuttgarter Nachrichten am bereits am 25. 02. 2022: „Peking hat ein Problem mit Putins Angriffskrieg. Xi Jinping und Wladimir Putin haben sich ‚grenzenlose Freundschaft‘ versprochen. Doch China wird sich nur so lange daran halten, wie es strategisch nützlich ist."               

Didi Kirsten Tatlow vom German Council on Foreign Relations hält laut Deutsche Welle vom 14.03. 2022 zudem die aufkeimende Hoffnungen, China könne sich als aktiver Vermittler einbringen, sogar für "ziemlich unangebracht": "Selbst wenn Peking kurzfristig vermitteln kann, lädt man es damit im Grunde ein, über etwas Kontrolle zu übernehmen, das extrem wichtig für demokratische Länder ist. Damit versetzen sich demokratische Länder in eine sehr schwache Position."            

Zu den Positionen, die für Demokratien „extrem wichtig“ sind, und zur Maßhaltung der Strategien, die Diktaturen innewohnen, gehört die Handhabe der „unveräußerlichen Menschenrechte“, wie sie von der UNO zu Papier gebracht wurden und die unser Gefängnis in der DDR, mit dem Glück des Freikaufs durch die von ihren alliierten Kontrollmächten demokratisch erzogene Bundesrepublik, zu einem magischen Ort der Befreiung  machte.               

Insofern war die Zeit im Gefängnis eine gute, lehrreiche Zeit.  Kriege aber verändern alles, das Gefühl für die Zeit wie einen selbst. Davon spricht das Gedicht des in Moskau lebenden Poeten Dov-Ber Kerler (alias Boris Karloff) vom 05.03.2022[ix], entnommen dem Essay "Wir bewundern sie und sie verschwinden" unserer P.E.N.-Kollegin und Suhrkamp-Autorin Esther Dischereit:  Reime, sie sind am Ende/ die klassischen, die biegsamen/ die romantischen oder auch die unbeholfenen/ Der Atem selbst, so sieht es aus, verlor seinen Rhythmus/Die Worte wie sturzbesoffene ungehobelte Leute/erklimmen gerade Wände/Hört sich an wie Kleinkindgeschrei/Unter den Bomben die fallen und fallen und fallen/Ist selbst die Stille abgelaufen/Sogar die dünne Stimme Seiner Stille ist weg/Und der großartige Friedenskämpfer,/Wischi-waschi und mit einer Seele so rein/Will gerade nur eine einzige Sache/die grausige Aufgabe direkt und ohne Diskussion vollenden/die brutale Bestie Putin erwürgen mit seinen eigenen Händen                              

„Von Anbeginn an hat dieser Krieg bei mir eine komplizierte Reihe von Emotionen (Wut und Bestürzung hauptsächlich) ausgelöst. Ich finde es schwer, an etwas anderes zu denken. Ich reagiere zurzeit in erster Linie auf die bloßen Tatsachen vor Ort - darauf, was der gewalttätige Irre Putin macht, auf das Massenelend, das hier geschieht“, schreibt in Esther Dischereits Essay ihr C., eine ukrainische  Freundin aus den USA, nach Berlin.                                                                                                              Tritonen nun sind mythische Mischwesen, halb Fisch, halb Fleisch, im Gefolge Neptuns, mit dem Muschelhorn in der Hand. Wolf Biermann dichte im Januar 1963 „Gegen die Angst: Wie lange, sag, kannst du, /im Lügenmeer leben, ohne daß du /ein Fisch wirst?“ Man könnte abschließend es also so sagen: Diktaturen blasen, nach innen oder nach außen, immer zum  Krieg, während Demokratien ihre Zeit dafür ausgeben, auf „freiem Grund“ die Menschenrechte zu pflegen, um mit allen Menschen frei zu reden, frei zu denken, frei zu fühlen, frei zu handeln, und das Leben frei und lebbar gestalten zu können.  

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!                                   

Axel Reitel Berlin-Mierendorff Insel, 19.03.2022 09:39 Uhr.

Endnoten



[i] Vgl. Axel Reitel, Der Jugendstrafvollzug in der DDR am Beispiel Halle, S. 268f., Dr. Köster-Verlag Berlin, 2006. (Dieselbe Seitenzahl in der Erstveröffentlichung durch die Landesbeauftragte Sachsen-Anhalt 2002)

[ii][ii] Philip Pettit, was bedeutet Freiheit? Sternstunde Philosophie, SRF Kultur, 2011.  Dieser Gedanke Pettits ermöglicht einen feinen Trick, ein persönliches Theorem, sich in er SED-Diktatur so zu verhalten, als wäre man im vollen Besitz aller bürgerlichen Freiheiten. So haben nicht wenige gelebt und denen, die selbst ein begehrtes Exportgut darstellten, wurden sie sogar gewährt.

[iii] Vgl. Freie Presse, Lokale Ausgabe Plauen, Artikel „Ich rotz dich ab!“, .. .. 1993[?].

[vi] Vgl. Bertrand Russel, Philosophie des Abendlandes, Europa Verlag Zürich 2007, S. 791.

[vii] Vgl. Albert Camus, Verteidigung der Freiheit, Rowohlt 1997, S. 119.

[viii] Ebenda.


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