Freitag, 6. November 2020

Erinnert: Siegfried Lenz

 

LITERATUR

 

Siegfried Lenz

 

 GEISTIGER WIEDERAUFBAU

 

Für Siegfried Lenz ist „Schreiben Rechenschaft vom eigenen Leben geben, Rechtfertigung der eigenen Existenz“. Sein erster Roman erscheint 1951 bei Hoffmann und Campe in Hamburg – hier lebt der Schriftsteller seit der Entlassung aus britischer Gefangenschaft und wird zum international geachteten Autoren, der viele Spuren hinterlässt. Für Helmut Schmidt war Siegfried Lenz nicht weniger als der „Ombudsmann des menschlichen Anstandes“.

 

TEXT: AXEL REITEL

 

Als masurischer Notabiturient zur See in der Kriegsmaschinerie der Wehrmacht, erkennt er, neben der Mitschuld, die wahre Absicht des Gewaltmenschen: in systematischer Weise den Grad der Mündigkeit zu eliminieren. Ende April 1945 gelingt ihm in Dänemark vom Hilfskreuzer „Hansa“ die Desertion. Seine Angst auf der Flucht, das Durchschlagen durch Dänemarks Wälder, spiegeln sich in den bedrückenden Waldszenen jenes ersten Romans Es waren Habichte in der Luft, der zuerst als Fortsetzungsroman in der „Welt“ und im selben Jahr als Buch erscheint.

 

Der Autor der Habichte gilt aufgrund der kristallklar gesehenen menschlichen Reflexe in der Handlung und der unsentimentalen Schilderung des Terrors nicht nur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sofort als Leuchtstreifen der „jungen erzählenden Literatur“. Dem Ritterschlag voraus gehen ein abgebrochenes Studium der Philosophie, Anglistik und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg, eine das Studium finanzierende Karriere als Schwarzmarkthändler, sowie ein Volontariat bei der Tageszeitung „Die Welt“. Von 1950 bis 1951 ist Siegfried Lenz dann Feuilleton-Redakteur dieser Zeitung.

 

ZEIT DER BEKENNTNISSE

 

In den 1964 erscheinenden Bekenntnissen eines Schwarzmarkthändlers, Lehmanns Erzählungen, deren Handlungsschauplatz durchweg Hamburg ist, hebt er den abgebrühten ironischen Realismus aus der Taufe, der die atmosphärischen Bekenntnisse des Felix Krull unnachahmlich erdet. „Die Not“, heißt es in den Erzählungen „ist meine schönste Zeit. Schon früh erkannte ich, welche Möglichkeiten der Mangel birgt. Die Knappheit an allen Dingen.“ Ich möchte behaupten, wer immer diesem hell reflektierenden Text durch das Nachdunkel des Nachkriegs folgt, ihn nie jemals vergessen wird.

 

Zudem löst sich Lenz in den Bekenntnissen gänzlich von seinen stilistischen Vorbildern Ernest Hemingway und William Faulkner, die in der Erzählung Lukas, sanftmütiger Knecht noch vordergründig waren. Dabei beißt Lenz sich nicht an der einmal gefundenen Form fest, sondern lässt notfalls Gegebenheiten und die ihnen ausgesetzten Leute zur Form werden, wie in Leute von Hamburg aus dem Jahr 1992.

 

„Schwer ist es, in Hamburg einen Hamburger zu ertappen“, weiß hier Lenz – seit fünfundvierzig Jahren nunmehr Wahl-Hamburger – zu sagen. Und: „Auf eiliger, auf oberflächlicher Suche trifft man nur Krebse, Pinneberger, Bergedorfer, man begegnet den genügsamen Bücklingen einer strebsamen Gesellschaft, Makrelen aus Stade, Ewerschollen aus Finkenwerder, Heringe aus Cuxhaven schwimmen in erwartungsvollen Schwärmen durch die Straßen meiner Stadt, Hummer bewachen mit geöffneten Scheren die Börse, Knurrhähne begeben sich zu einer Konferenz ins Rathaus, man begegnet dem Seelachs und dem Dornhai und verfolgt volkreiche Wanderungen von Dorschen, die zum Hafen hinabziehen. Der erste, sozusagen unbewaffnete Blick findet immer wieder den Meeresgrund, er fällt in Aquariumsdämmerung; das hat schon Heinrich Heine erfahren müssen, als er mit gebildetem Spott und talentierter Melancholie die Leute von Hamburg suchte.“ Später lautet eine biografische Hinzufügung mit etwas weniger Spott, „irgendwo… hänge sein düsteres  Bild“, das Bildnis des Dorian Gray, und es zeige „sein wahres Gesicht“. Und weiter: „Denn natürlich hat man fast fünfzig Jahre lang gearbeitet.“ Das habe „Spuren hinterlassen“.

 

Von jenen fünfzig Jahren als Hamburger Bürger, in viele Sprachen übersetzter Autor und engagierter Kopf, „vom Meer und Küste, Fluss und Hafen, Wracks und Tauchen und dem Glück, einen Fisch zu fangen“, soll des Weiteren die Rede sein. Dabei kündigt sich, vorweggesagt, ein grandioses, ein lieb zu gewinnendes Scheitern an. Den langen Schatten der Vergangenheit auf der ewigen Lust nach der Freiheit, eigene Wege zu gehen, ist der Kampf angesagt.

 

Dabei hat Siegfried Lenz vielleicht das einheitlichste Werk jener großen drei der Nachkriegsliteratur hinterlassen: Grass’ literarisch so hoch liegendes wie umstrittenes Buch Beim Häuten der Zwiebel gehen lange literarische Fehljahre nach der bahnbrechenden Danziger Trilogie (Die Blechtrommel, Katz und Maus, Hundejahre) voraus – umstritten ist das erstgenannte Werk deshalb, weil er erstmals seinen Beitritt in die SS als 17-Jähriger thematisiert, worauf ihm die Ehrenbürgerschaft von Gdansk aberkannt

werden soll.

 

Günter Grass hält sich an seine eigene literarische Meinung über seine Bücher. Und die war nicht die schlechteste. Und Heinrich Böll hält morgendlich den angeleckten Finger in die Luft, ob der Tag zum Schreiben oder zum Lesen gemacht ist. Ansichten eines Clowns und Die verlorene Ehre der Katharina Blum sind Beispiele einer „aktuellen, fesselnden, engagierten“ Entwicklungsliteratur – der Literatur über die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland (die selbstredend aus den langen Schatten heraustreten will). Siegfried Lenz hält sich an seine fast immer schmauchende Pfeife. Die Pfeife ist ihm der „verlässlichste Begleiter“. Er betrachtet sie „als Freund“. Alles in allem werden aus den meisten der genannten Buchtitel wahre „Filmjuwelen“. Und dieses Licht fällt auch auf einige hervorragende Titel von Siegfried Lenz. Vom bahnbrechenden Roman bis zur letzten Novelle: Deutschstunde, So zärtlich war Suleyken, Der Verlust, Ein Kriegsende, Schweigeminute. Sie zeigen sowohl die Vielfalt des Autors als auch seine wiederkehrenden Grundthemen, die auch die Themen seiner Generation sind: „Gewalt, Flucht, missbrauchte Begeisterung und sinnlose Tode“.

 

 

GROSSE FREUNDSCHAFTEN

 

 

Ein Stück Literatur erlebt seine Krönung als Film. Das Licht des Ruhms. Mehr Licht geht eigentlich nicht. Doch auch ein Schatten besteht aus Licht. Auf der Trauerfeier für Siegfried Lenz am Dienstag, dem 28. Oktober 2014, versammelt sich die erste Reihe des Trauerknigge, wie sie ein Land nur aufweisen kann: Helmut Schmidt, Günter Grass, Wolf Biermann und seine Frau Pamela, Jürgen Flimm, Intendant der Staatsoper Berlin, und seine Ehefrau Susanne, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein Britta Ernst und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, der Hamburger Unternehmer und Mäzen Ian Karan und seine Frau Barbara, Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister Henning Voscherau, NDR-Intendant Lutz Marmor und die Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler nehmen damals im Hamburger Michel ihre Plätze ein. Zweitausend Freunde, Politiker und Bürger erwiesen im Hamburger Michel ihm die letzte Ehre. Hamburg verbeugt sich vor Siegfried Lenz.

 

Doch „einmalverschwindet jeder hinter dem Horizont“, schreibt Siegfried Lenz dreißig Jahre vorher im Text Kleines Strandgut: „So wie Odysseus verschwand und Kapitän Ahab, wie Robinson und Nemo und der große Beutemacher Sir Walter Raleigh.“ Wir Lebenden aber halten die Augen nach ihnen noch auf und wollen lernen. Das ist sozusagen unsere Beute.

 

Im gleichen Jahr, 1984, wird mit dem Erscheinen der Erzählung Ein Kriegsende klar, dass der Autor des internationalen Bestsellers Deutschstunde eine weitere Variation seines Hauptthemas vorlegt: über die Verantwortung eines Menschen in finsteren Zeiten. Als Anfang Mai 1945 einen deutschen Minensucher in der Ostsee der erwartete Funkspruch von der deutschen Kapitulation erreicht, ist zwar der Krieg zu Ende und an Bord wird der Kommandant von der Besatzung unter Arrest gestellt. Doch taucht sogleich die Frage auf, ob dies Meuterei ist.

 

Wie in der Deutschstunde erweist sich „das schwierige Verhältnis zwischen Gehorsam und Verantwortung, zwischen Kriegsrecht und humaner Moral“ als Krimi. Dabei geht es nicht darum, „wie die furchtbaren Richter von damals geurteilt haben, das steht in den Geschichtsbüchern“. Siegfried Lenz gibt sich eben damit nicht zufrieden. Diese grandiose Parabel soll anders, von der Wirklichkeit her, gedacht werden. Denn es ist die britische Besatzungsmacht, die im Mai 1945 auf deutschen

 

Minensuchbooten sogenannte German Minesweeper in die Ostsee abtauchen lässt, die Seeminen der deutschen Kriegsmarine zu entschärfen – und die deutsche Kriegsmarine hatte Tausende Seeminen ausgelegt. Unter den German Minesweeper befinden sich neben Kriegsgefangenen auch Arbeitssuchende, denn im deutschen „Trümmermeer“, in dem damals auch Hamburg versinkt, sucht ein Arbeitslosenheer nach Arbeit und Abenteuer.

 

 

NACHKRIEGSGESCHICHTE

 

 

Ein Kriegsende versammelt also geschickt wie geglückt das kollektive Gedankenspiel der Geschlagenen und lässt es literarisch auf dem deutschen Minensuchboot Gestalt annehmen. Als wären sie noch einmal frei in ihrer Entscheidung. Was sie nicht mehr sind, kurz nach dem Krieg.

 

Als wäre Siegfried Lenz noch einmal frei in seiner Entscheidung, was er tatsächlich noch einmal ist, knapp vor Kriegsende, als er nach seiner Beförderung zum Fähnrich zur See zum 20. April 1945 dem Kriegsdienst Adieu sagt.

 

Dabei will es wohl die Ironie der Geschichte, dass die „Hansa“ unter der Benennung „Schiff 5“ zwar ein für den Einsatz bei der Kriegsmarine vereinnahmtes britisches Handelsschiff ist. Das britische Frachtschiff „Glengarry“ wurde unter deutscher Flagge und der Bezeichnung Handelsstörkreuzer als Hilfskreuzer vorbereitet, doch schließlich nur als Kadettenschulschiff genutzt.

 

Nach dem Untergang des Deutschen Reiches fährt es wieder unter der

Flagge des Vereinigten Königreiches. Womöglich ist das alles ein Grund dafür, dass Siegfried Lenz, als er auf seiner Flucht durch die dänischen Wälder einer Kompanie des Vereinigten Königreichs in die Arme läuft, zwar Kriegsgefangener wird, doch als Dolmetscher für die Kommunikation mit den Krauts auch Verdienste einfahren darf. Über den empfohlenen Umgang der britischen Soldaten mit den Deutschen gibt der „Leitfaden für die britischen Soldaten in Deutschland 1944“ des britischen Außenministeriums jedenfalls ausführlich Auskunft. Unter anderem wird darin betont, „dass die britische Besatzung nicht brutal, aber auch nicht nachgiebig oder sentimental“ sein soll.

 

Die Soldaten werden vor „Propaganda in Form von Unglücksgeschichten“ gewarnt und die Deutschen werden als „merkwürdige[s] Volk, in einem merkwürdigen, feindlichen Land‘ beschrieben“.

 

Siegfried Lenz hat Zeit und Ort wohl früh auch als literarischen Handlungsspielraum erkannt. Jedenfalls wird er ihn – erklärlicherweise – nicht mehr verlassen. Zur Begründung sei auf die landschaftliche Verwandtschaft zwischen dem seenreichen Masuren und dem ostseegeprägten Teil desdeutschen Nordens verwiesen. Dankbarkeit dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. Vielleicht eine Dankbarkeit an die Freiheit, die den Deutschen vor seinen Augen geschenkt wurde, anstatt ihnen eine neue Knechtschaft aufzubürden. Warum nicht? Denn stimmt es, dass Heimat dort ist, wo das Herz ist: Woran liegt einem menschlichen Herz mehr als an Verdiensten?

 

 

LIEBESBEWEIS AN EINEN WOHNORT

 

 

Siegfried Lenz wohnt bis zu seinem Tod in der Preußerstraße 4 in

Hamburg-Othmarschen. Das Haus kaufte er 1963. Er war von Beginn an ein erfolgreicher Schriftsteller – und Erfolg kann Lachen machen, vom Erfolg gehen heilsame Kräfte aus.

 

Schließlich kamen erst ein Haus auf der dänischen Insel Alsen und später ein Bungalow in Tetenhusen hinzu. Die Sommer lebte er Dänemark, die kalte Jahreszeit gedachte er Hamburg zu, sichtbare Auswirkung auf die geschriebenen Seiten haben die warmen und kalten Jahreszeiten aber nicht.

 

Es sind die Gegebenheiten des Sujets, die ihren Stempel aufsetzen. Ins Spiel zu bringen wäre auch der spontane Einfall der Laune: Setzt Lenz in Leute von Hamburg auf Vergleiche, verwirft er alles, was die Möglichkeit zu sehr „einschränkt“, diese Leute auch zu „ertappen“. So lässt Lenz ab vom Grund der Ostsee, denn dieser „schränkt zu sehr ein, er lässt zu wenig offen“ und wählt stattdessen, „um sich von ihnen begeistern oder befremden zu lassen“, den Blick „mit bewaffnetem Auge“ durch „ein Rumglas“, das „gegen die Vorübergehenden“ gehalten, sie aufnimmt „wie mit einer mitteilsamen Linse, bannt und sammelt sie“.

 

In der Tat gelingt ihm das Meisterstück eines Liebesbeweises an einen Wohnort, an Hamburg. Es ist ein Buch wie ein trunkener Sommer, doch es konnte nur in der kühleren Jahreszeit geschrieben werden. Und schon längst kam von ihm Weltliteratur aus Hamburg. Eine andere Sache ist das Kühle, das Unterkühlte, und Karge in der Seele. Und die „Freuden der Pflicht“ sind sein angemessener Ausdruck.

 

Als sein Roman Deutschstunde 1968 erscheint, war die Bundesrepublik noch zwölf Jahre davon entfernt, im öffentlichen Diskurs zu bekennen, dass „niemand frei [ist] von der Geschichte“. Der Zwangscharakter des Protagonisten Jens Ole Jepsen, Dorfpolizist von Rugbüll am nördlichsten Nordende, verschreibt sich mit dem Aufkommen der braunen Unterdrücker eben deren Zielen und überträgt das neue Pflichtgefühl auch auf seine nächsten Menschen.

 

Vor allem auf den Maler Max Ludwig Nansen hat er es dabei

 abgesehen. Nach dessen Stigmatisierung zum entarteten Künstler

 versucht er ihn auf Schritt und Tritt beim Weitermalen verbotener

 Bilder zu ertappen, wovon er auch nach dem Untergang der

Unterdrücker nicht lassen kann. Auch dass Nansen ein Jugendfreund

 Jepsens und sogar sein Lebensretter war, wird im Brennglas des

 Sohnes Siggi Jepsen gesammelt, der in einer Besserungsanstalt für

 Jugendliche, Notizhefte füllend, den Freuden der Pflicht die Freuden

 des Schreibens, des Geschichtenerzählens entgegensetzt.

 

Über das Geschichtenerzählen kann man den Autor natürlich selbst fragen. Ich fand eine mir passable Passage in der „Zeit“. Also, „,was sind Geschichten?‘, fragte Lenz einmal und gab selbst die wunderbare Antwort: ‚Man kann sagen, zierliche Nötigungen der Wirklichkeit, Farbe zu bekennen. Man kann aber auch sagen: Versuche, die Wirklichkeit da zu verstehen, wo sie nichts preisgeben möchte“. Preisgeben ist ein starkes Verb, das weder in den Romanen Deutschstunde, Das Vorbild oder Fundbüro, dafür gleich fünf Mal in seinem bis zur „New York Times“ bejubelten Opus Magnum Heimatmuseum vorkommt. Es umläuft das Phänomen des Scheiterns, das Bange sein vor dem Scheitern, das Schutzbedürfnis vor der Preisgabe des mühsam Aufgebauten, vor der Bloßstellung, der unlauteren Absicht.

 

Aber auch vor dem Mitwissen, vor dem Mitgegangensein, der Mittäterschaft. Als Deutschland im April/Mai 1945 von seiner schlimmsten Zeit (seit den Anfängen unter Karl dem Großen) befreit wird, beginnt das bekannte Schweigen (nicht überall: Die Eltern des Autors waren, bis zu einem Punkt, sprudelnde Quellen der Kriegserinnerung). Es war die Scham, das Schämen, das furchtbare Beschämtsein angesichts der selbst verschuldeten Berge an Verbrechen. Um nichts in der Welt preisgeben, was war, ist das dunkle Motiv des Dorian Gray.

 

Im Roman Heimatmuseum brennt der Schöpfer und Hüter des Museums, Zygmunt Rogalla, der auch der Erzähler ist, jenes eigenhändig ab. Der noch nicht genannte Jean-Paul Sartre, von dem sich Lenz wegen dessen Befürwortung des Stalinismus ab- und dem Gegner des „Sozialismus der Galgen“, Albert Camus, zuwendet, sagt in einem seiner letzten Worte: „Ich bin gescheitert“. Zygmunt Rogalla aber sieht sein Werk einer, das Schöne, Wahre und Gute verabscheuenden Zeit preisgegeben.

 

Das ist der feine Unterschied, der das Werk von Siegfried Lenz auszeichnet.

 

In seiner Trauerrede im Hamburger Michel fasst Altkanzler Helmut Schmidt am 28.10.2014 Wesen und Wirken des Schriftstellers Siegfried Lenz aber wohl am eindrücklichsten zusammen: „Mit dem Abschied von Siegfried Lenz ist für mich eine Freundschaft zu Ende gegangen, die gut ein halbes Jahrhundert gedauert hat. Die mich immer wieder bereichert hat. Für Loki und für mich war Siegfried Lenz der Ombudsmann des menschlichen Anstandes. Bei alledem war Sigi Lenz ein großartiger Geschichtenerzähler. Ich habe seinen Einfallsreichtum und die Kraft seiner Fantasie immer bewundert. Über die Fülle seiner genialen Einfälle, auf den seine Romane beruhen, habe ich gestaunt. Er hat seinen Lesern ein ganzes Mosaik unserer Epoche präsentiert und hat damit zum geistigen Wiederaufbau Deutschlands beigetragen und zugleich hat er mit seiner Imagination und seiner Präzision den Deutschen einen bedeutenden literarischen Schatz hinterlassen.“


Zitation: Siegfried Lenz, Hanjo Kesting, The London Times, Helmut Dubiel, Heinz Jurisch, Jörg Magenau, Helmut Schmidt.

 

Quelle: Hamburg History Live ZWÖLFTES HEFT

http://www.hamburg-history-live.de/?page_id=4635 

(Look 06.11.2020)

Bleiben Sie wohlauf!

 

 

 

 

 

 

 

 


Foto: Dr. Andreas Schmidt/Konrad-Adenauer-Stiftung

 

AXEL REITEL *1961 Plauen/V., seit 1982 Wahl-Berliner

 

Journalist, Schriftsteller, Lyriker, Komponist. 

Themen: Anti-Totalitarismus, deutsch-deutsche Vergangenheit, die

Deutschen und die offene Gesellschaft, europäische und

transatlantische Beziehungen.

 

Zuletzt besuchte Ausstellung: Reaching out for the future.

 

Zukunftsfantasien um 1900, Bröhan-Museum in Berlin

 

 

Tauroggener Straße 42

 

10589 Berlin

 

030.34359099

 

017624876438

 

axel.reitel@berlin.de

 

mehr Infos Wikipedia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mittwoch, 21. Oktober 2020

Theater-Kritik: „328“. Ein neues Glanzstück über ein verstörendes Thema

 

„328“. Ein neues Glanzstück über ein verstörendes Thema vom Dokumentartheater Berlin unter der Leitung der preisgekrönten Regisseurin Marina Schubarth

328. © Urs Schweitzer

Aus Solidarität mit den ungebrochen um ihre Freiheit kämpfenden Menschen in Belarus nachgereicht am 18. Oktober 2020

„Alles ist von ihm abhängig. Lukaschenko ist jemand, der von sich die Vorstellung eines Königs oder Fürsten des europäischen Mittelalters hat. Seine Macht soll sich auf Leben und Tod der Untergebenen erstrecken“, heißt es am 16.8.2019 im „Deutschlandfunk“.

Zum schwebenden Todesurteil kommen wir noch. Frederick Douglas aber antwortete in einer 1869 (sic!) von Publikum in den ganzen Vereinigten Staaten gefeierten Rede zum Thema Menschenrechte auf die Frage nach den mit der Staatsbürgerschaft verbundenen Rechten, „…wenn es einen mutmaßlichen Konflikt zwischen Menschenrechten und nationalem Recht gibt, ist man auf der sicheren Seite, wenn man sich an die Menschlichkeit hält.“

Es ist allenthalben dieser Punkt, der die Dolmetscherin und Aktivistin Silvie (Kathi Thiemer) umtreibt und in krachende Moralgefechte verwickelt mit dem ihr viel zu nüchtern vorgehenden Anwalt Heinz (Heinz Josef Sehr) des abwesenden Hauptprotagonisten. Der schmorte am 19. Juli, dem Tag der Premiere im Berliner Künstlerhof Alt-Lietzow, seit 146 Tagen in Abschiebehaft in Berlin-Moabit. Genauso lange wurde er auf weißrussische Initiative mit internationalem Haftbefehl gesucht. Obwohl er in Belarus verhaftet wurde. Machen wir langsam.

Volles Haus mit Abstand und Mundschutz. Vernunftbegabt in Zeiten von Corona. Die Quasi-Liveschaltung macht sich zusätzlich als exemplarisches Gefühl breit, einem Unrecht beizuwohnen. Recht schadet keinem Menschen, heißt es weiter in Douglass‘ Rede. Wie grundsätzlich verschieden diese Prämisse aber gelebt oder ausgelebt werden kann, wie pragmatisch, wie durchtrieben, wie hilflos, wie egoistisch oder sogar ehrlich, legt die weitere Handlung wie in einer griechischen Tragödie offen.

Was den Anwalt Heinz die Rolle eines nüchternen Boxers aufzwingt ist die Tragweite von Artikel 328 des weißrussischen Strafgesetzbuches. Selbst bei geringfügigsten Drogenvergehen drohen „unverhältnismäßig hohe“ Strafen. Den erläuternden Chor im griechischen Drama übernimmt im Stück die Erzählerin (Katharina Goebel).

Oleg Wasjug also wurde erwischt bei einer Verkehrskontrolle mit etwas Marihuana und noch weniger Amphetamin. Nicht mal ein Gramm. Aber ist das überhaupt der Sinn einer Verkehrskontrolle? Jedenfalls kam Oleg Wasjug auf Kaution wieder frei und fuhr nach Berlin. Out of reach. Das war diversen Kräften der belarussischen Rechtsprechung zu viel des Guten. Zwölf Jahre und vielleicht noch mehr wollen sie ihn hinter wenig menschlichen Gittern durchgebraten wissen. Wozu?

Szenenwechsel. Erste Lektion. Auftritt belarussisches Gericht und Untersuchungskommission (Rosa Selle, Christian Guethner, Esin Yildiz, Susanna Quandt), die nichts untersucht, sondern präsidiale Entscheidungen durchsetzt. Aber so ist das. Erstarrte Humanität sucht den Kitzel darin, den Willen der Macht, welcher auch immer, durchzusetzen, und überhaupt keinen Gedanken erst daran zu verschwenden. Nötig ist harscher Eifer. Zack, zack. Der kam durch sie sich entäußernde Richterin (Rosa Selle) deutlich zum Ausdruck.

Lektion zwei. Diktaturhafte Anweisung an die Zuschauer, ihre Stühle zur Seitenbühne zu rücken. Von Belarus nach Berlin sozusagen. Dort verheißt ein Kammergerichtsaal das Durchdrücken demokratischen Rechtsempfindens. Leider wird Richter Simon (Simon Sommer) von kafkaesken Privatsorgen geplagt. Der Verlust der aufgeflogenen Geliebten macht ihn Tag für Tag abhängig vom durchtriebenen Verzeihungsgrad der Ehefrau. Seine Ohren sind wahrlich verstopft wie die des Richters in Kafkas Prozess. Man hört nur das eigene Blut rauschen und bald schon rauscht er, dass es einen ratlos macht, auch ab. Zurück lässt er die aufrichtige aber mit dem Holzhammer demoralisierte Gerichtsassistentin Ezela (Esin Yildiz). Erfolglos in ihrem aufrichtig rechtsempfindsamen Drängen, der Richter möge doch im Fall Wasjug die neuesten Eingaben des „doch so netten“ Anwalts Heinz wahrnehmen – und der Richter so: Aber das macht doch Arbeit! – führt einem diese doch tatsächliche Szene die dunkle Seite unsere Demokratie vor Augen. Und wer sie erschuf.

Rrring-Rrring! Lektion drei. Die verstört und hilflos aber mit Willen und Mut kämpfende Ehefrau Dariya Wasjug (Laila Dörr) kontaktiert von Belarus aus die in Berlin lebende Dolmetscherin. Wir wissen es, Silvie braucht Daten. Die bekommt sie und legt los. Wunderbar. Leider heißt Engagement noch lange nicht Wissen.

Vierte Lektion. Belarus. Währenddessen beschnuppern sich der politische Generalmajor des Gerichts Konjuk (Christian Guethner) und der Staatsanwalt Stus (Martin Klefeld) ob der Glaubwürdigkeit des anderen Niedertracht. Und sie singen fast im Duett. Der Tisch muss stets gedeckt sein. Da ist noch Platz für Orden an der Jacke. Solche Stimmen laufen über Menschenköpfe.

Wieder die Vorleserin Katharina Goebel. Fünfte Lektion. Gegen die Blauäugigen. Haftbedingungen in Belarus. Zwei Waschbecken, eine Toilette für eine Kohorte in winziger Zelle. Fäulendes Essen. Prügel und Akkordarbeit. Kreischen. Knurren und Drohen. Wer will in Belarus davon hören? Wer will im Westen davon hören? Klar ist, man muss sich nicht an schlimme Dinge gewöhnen. Einmal artikelte Die ZEIT: Hier die schlechte Nachricht. Es geht uns gut. Immerhin 301 Suchergebnisse für »Lukaschenko«, aber nicht für Lukaschenko.

Rrring-Rrring! Sechste Lektion. Frau Wasjug fragt wieder nach. Es bewegt sich nichts. Ob sie denn nicht wissen, wie es in weißrussischen Gefängnissen zugeht? Wie kann eine so starke Demokratie gegen ein Binnenland mit Binnenwährung und Planwirtschaft nichts ausrichten? Silvie kämpft gegen ihre Verzweiflung. Heinz ist um ihre Fassung bemüht. Ab sofort soll sie ihn auf dem notwendigen Weg durch die Instanzen begleiten. Die Dolmetscherin traut sich‘s nicht zu, die Aktivistin nimmt das Angebot an.

Siebente Lektion. Bei vollständiger Kontrolle. Achtung! Zellenstock 54. Der Ewigkeitszug der Gewalt. Auftritt mit rüdem Befehlston die Aufseherin (Dr. Daniela Dilling). Ihr ausgeliefert: drei Häftlinge in einer Zelle. Der entrechtete Richter, der über das Internet angelockte Blogger Atjom, ein Jugendlicher, und der in Belarus lebende Engländer Simon. Es beginnt ein brutales Spiel verbaler Erniedrigung, die nach dem „Essenfassen“ in einer weiterhin verstärkten Essenseinnahme auf Befehl ihre klimatosende Herabsetzung erfährt. Solche Aufseherinnen gab es ebenso in einer anderen Diktatur. Da hießen sie Wachteln. Zuständig für einen Zellenflur. Da lärmt‘s wo. Bald Anmarsch einer internationale Kommission. Also ab. Zeit für die drei Häftlinge. Atjom‘s Überlebensstrategie, nichts ist Ernst, alles ist Lustig, dass es das nicht ist, kommentiert er dazu. Simon wurde mit genau der geringen Menge zum Wegbeamen erwischt, die von gewissen viralen Plattformen als lukrativer Kurierdienst angeboten wird. Einige sind wohl wirklich illegal, andere bekommen Prämien vom Staat. Tausende Jugendliche gingen bereits in die Falle und sichern oft sogar zweistellige Jahre, diese Strafmaße werden von den Richtern verlangt, der Volksproduktion von Belarus das Überleben. Einen Moment sprang dem entrechteten Richter aber eine Nadel ins Herz. Und jetzt sitzt er, wegen des zu milden Urteils, mit dem um Jahre Verschonten selbst ein, drängt sich auf.

Achte Lektion. Die Verbalnote. Und schon wieder liegt Silvie mit Heinz quer. Krachende Gegensätze sind ein Bild für die Götter. Hier zeigen sie, was unter Umständen einem – ohne Garantie – allein weiterhilft. Silvie könnte schreien. Das Antlitz der Empörung, wenn sie die Seiten der Gerichtsakten umschlägt und Heinz immer schriller daraus Passagen an den Kopf wirft, um so stoischer er versucht, ihr das bizarre Ping-Pong-Spiel zwischen Minsk und Berlin um Oleg Wasjugs Kopf sowie die einzige mögliche Hilfe juristisch zu erklären. Genauigkeit noch drei, vier Stellen nach dem Komma. 0,734 statt 0,724 Gramm Amphetamin. Auch die lauernden zwölf Jahre Haft werden von der Tatsache in den Schatten gestellt, dass Belarus als einziges Land in Europa nach der Geschichtswende 1989 die Todesstrafe noch vollzieht. Zwar kann die Todesstrafe nur verhängt werden, wenn Straftaten gegen den Staat oder Personen verübt wurden, aber wer weiß? Der Verdacht auf Willkürurteile wurde nicht nur vom Deutschlandfunk geäußert. Und jetzt kommt, ohne Garantie, die Verbalnote ins Spiel, bei der Höflichkeit und Korrektheit angesagt ist. Wobei inhaltlich natürlich weniger Nettes ausgetauscht wird, beispielsweise unterrichten sich Regierungen darüber, wie die eine über die andere denkt. Sowas. Kann man dabei einiges zusammen verharksen, lenkt der andere meistens ein. Willst du selbst anerkannt sein, darfst du dem anderen die Anerkennung nicht versagen. So schlimm der andere ist.

Neunte Lektion. Anwalt Heinz. Plädoyer über das zähe Ringen zwischen Anachronismus und Moderne. Und ein Appell an uns. Ans jederzeit Sein- oder Nichtsein-Publikum gewandt. Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks ertragen und so. Oleg Wasjug ist hat vielleicht von seiner Moabiter Zelle aus herübergeschaut, wie sein Geschick versemmelt wird. Oder, mal weiter zitiert, sich wappnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden. Will sagen, Menschenrechte durchsetzen, durch Tausende wie Silvie – und einen wie Heinz.

Zehnte Lektion. Vereinte Nationen, NGOs, Rotes Kreuz (Susanna Quadt, Mia Keitel, Esin Yildiz, Maria Wesemann). Traten dazwischen auch auf und sorgten für Rummel. Sind Diplomaten Meinungsbildner, sind NGOs Stimmungslenker. Und wo die Mehrheit der moralischen Menschen ist, nicht der moralinsauren, geht’s in die Richtung. Aber nochmal Vorsicht. Auch eine internationale Kommission zur Sicherungsüberprüfung der Menschenrechte (Hygiene, medizinische Versorgung, Ernährung zuvorderst) besteht aus Menschen eben auch nur, die Blendwerk für die innere Bequemlichkeit durchaus akzeptable finden. Dem große Fressen, was in 54 vorgeführt wird, folgt nach Abzug der lästigen Überprüfung wieder der wutzitternde Wachtelschrei.

Großes Kino!

Quelle: https://www.tabularasamagazin.de/tag/dokumentatheater-berlin/ (Sichtung 21.10.2020)

Dienstag, 20. Oktober 2020

Die Politische Meinung: Interviewreihe DIALOG, Teil 7: Lilo Fuchs


AUSGABE 564

"Du bist bei Dir geblieben"

von Lilo Fuchs

von Axel Reitel

Die Psychologin Lilo Fuchs im Gespräch mit Axel Reitel über die Verhaftung und Haftzeit ihres Mannes In der Dialogreihe, mit der diese Zeitschrift das Jubiläumsjahr von dreißig Jahren Mauerfall und Deutscher Einheit beging, ist dieses Interview das siebte und letzte. Der einstige DDR-Oppositionelle Axel Reitel befragt seine Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner – wie er ebenfalls politische Häftlinge – zu ihren Hafterfahrungen und den daraus erwachsenden Konsequenzen. 

Reitel, geboren 1961 in Plauen (Vogtland), wurde 1982 von der Bundesrepublik Deutschland „freigekauft“. Heute arbeitet er als Journalist und Schriftsteller.

Lilo Fuchs, geboren 1953 in Jena, studiert nach dem Abitur Psychologie in Jena. Hier trifft sie auf 

ihren Kommilitonen Jürgen Fuchs, der bereits erste Texte über die Unterdrückungsmechanismen in der DDR 

geschrieben hat.  Als sie 1974 heiraten, sind sie längst im Visier der Stasi. Nach Fuchs’ Exmatrikulation, trotz abgeschlossenen Studiums, bringt Wolf Biermann das junge Paar mit dem Auto nach Grünheide in das Gartenhaus von Katja und Robert Havemann. Nach der Verhaftung ihres Mannes im November 1976 folgen Lilo Fuchs Stasi-Bewacher auf Schritt und Tritt. Und auch nach der Ausbürgerung geht die ständige Observierung der Familie Fuchs in West-Berlin weiter. 

Das Interview ist über den u.s. Link auf der Seite der Zeitschrift Die Politische Meinung in Gänze zu lesen.

https://www.kas.de/de/web/die-politische-meinung/artikel/detail/-/content/du-bist-bei-dir-geblieben

Gute Unterhaltung!

Bleiben Sie alle gesund und gewogen!



Mittwoch, 16. September 2020

Glossen #45: Transatlantischer Gedanken- und Erfahrungsaustausch: „Break on Through to the Other Side“

 Glossen 45|2020

IV. Transatlantischer Gedanken- und Erfahrungsaustausch: „Break on Through to the Other Side“

 

                                                    Foto: Frank Runge

                                                   

                                                    Stehend auf dem Ast einer Weide 

                                                    über dem Neckar,  

                                                    in Zimmers Garten bei Hölderlin 


„Break on Through to the Other Side“

 

Ein Gedankenaustausch mit Axel Reitel, politischem Häftling in der DDR, experimentellem Rockmusiker in der alten BRD und engagiertem Literaten im wiedervereinigten Deutschland.

 

Frederick Lubich, Norfolk, Virginia & Axel Reitel, Berlin

Das Interview in Gänze (samt Bildmaterial und Audiofile) kann hier gelesen, geschaut und gehört werden. Außerdem bietet diese Zeitschrift viele Diamanten klingender Namen: 

http://blogs.dickinson.edu/glossen/glossen-45-2020/iv-transatlantischer-gedanken-und-erfahrungsaustausch-break-on-through-to-the-other-side/

Glossen, located on a server at Dickinson College in Carlisle, PA, is an independent journal published by an international team of contributors and editors. 

ISSN 1093-6025 Current Editorial Team: Frederick A. Lubich (Norfolk, Virginia), managing editor, Sarah McGaughey (Carlisle, Pennsylvania) and Janine Ludwig (Bremen, Germany), online editors

Die Politische Meinung: Neue Interviewserie, Teil 6: Edda Schönherz

                                                                                                       

AUSGABE 563| 03. AUGUST 2020

 "Du bist hier nicht im Fernsehen"

von Edda Schönherz
von Axel Reitel

Edda Schönherz, deutsch-deutsche TV-Legende, blickt zurück auf ihre Stasi-Haft

Dieses Interview ist der sechste Teil einer Serie, in der der einstige DDR-Oppositionelle Axel Reitel seine Gesprächspartner – wie er ebenfalls politische Häftlinge – zu ihren Hafterfahrungen und den daraus erwachsenden Konsequenzen befragt. Reitel, geboren 1961 in Plauen (Vogtland), wurde 1982 von der Bundesrepublik Deutschland „freigekauft“. Heute arbeitet er als Journalist und Schriftsteller.

Edda Schönherz, geboren 1944 in Bad Landeck (heute Lądek-Zdrój, Polen), eine ehemalige deutsch-deutsche Fernsehansagerin. Aufgewachsen in Ost-Berlin, studiert sie ab 1963 drei Jahre an der Fernsehakademie in Berlin-Adlershof Ansage- und Fernsehmoderation. 1969 moderiert sie die erste Sendung im DDR-Farbfernsehen. Als sie wegen der erdrückenden Zensur offenkundig Ausreiseabsichten zeigt, gerät sie in das persönliche Visier von Stasi-Chef Erich Mielke, was ihr drei Jahre Haft im Frauengefängnis Hoheneck einbringt. 1979 wird ihr die Ausreise zusammen mit ihren Kindern genehmigt. Kurz darauf engagiert sie der Bayerische Rundfunk.

Als Opfer der SED-Diktatur tritt Edda Schönherz als Zeitzeugin in Gedenkstätten und im Fernsehen auf. 2006 wird ihr für ihr Engagement für die Aufarbeitung von SED-Unrecht das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Das Interview in Gänze kann online auf der Seite der Zeitschrift Die Politische Meinung nachgelesen werden: 

https://www.kas.de/de/web/die-politische-meinung/artikel/detail/-/content/du-bist-hier-nicht-im-fernsehen

Gute Unterhaltung!

Ihr

Axel Reitel

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