Freitag, 19. Juli 2013

Foto-Essay: Autobiografie, neuester Stand 31.05.2022, in progress






Projekttag der Adenauer Stiftung (NRW) mit Zeitzeugen und jungen Erwachsenen, am 22. März 2022 in der Friedensschule in Münster. Der Programmtitel lautete: "Die Universalität der Menschenrechte und ihre Verletzung in der DDR". Hier bei meinem Vortrag: "Tritonen: Die Universalität der Menschenrechte –
Wie werden sie in Diktaturen verletzt?"


Während des Vortrages in der Aula der Friedensschule. 


 
Foto: Alexander Paul Englert
Aufnahme von der Verlehung des OVID-Preises 
an Wolf Biermann, am 05.10.2021,
 in der Deutschen Nationalbibliothek, 
Frankfurt am Main.
(vl.n.r: Hubert Dammer, Marko Martin, Gabrielle Alioth,
Sylvia Asmus,Wolf Biermann, Lyudmila Kazak, Übersetzer, 
  Regula Venske, Theresia Biel, Axel Reitel) 



Teilnahme am ZOOM-Poetry-Festival 01.11. 2020 
des PEN International Woman Writers Commitee 
2.v.u.linke Seite



Teilnahme an der Demo #FREE BEALRUS, 
Sommer 2020 am Brandenburger Tor. 2.v.l. 
Foto: Archiv Axel Reitel 

Schnappschuss Rotterdam 2019
Picasso? Not really!


The Smoking-Room


In the cabin 

On Deck 
Fotos: ar2019
The 2019 ICORN Network Meeting 
& PEN International WiPC Conference 
was titled At Home, Everywhere. 
    Meet-Point was in Rotterdam 29-31 May 2019, 
on the SS Rotterdam. 

Homer. Allways the Master. 

Als Referent auf dem Jugendkongress in Bitterfeld 
am 18. Oktober 2018
Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung, 
Politisches Bildungsforum Sachsen-Anhalt


Rede #Free Oleg Sentsov vor der Russischen Botschaft 
am 27. Juni 2018, Unter den Linden, Berlin

Der Schnickschnack-Schrank 2017


Vor der Speisebaracke der berühmten Lenin-Werft in Gdansk
Foto: Utz Rachowski 2016

Zugfahrt nach Gdanks.
Big Jesus auf polnischer Seite
Foto:ar 2016

Verleihung der Solidarność-Medaille,
Gdansk 12.12.2016
Foto: Europäisches Solidarność Zentrum Gdansk


Mit dem Butt
vor dem Günter-Grass-Haus in Gdansk.
Foto: Christa Speidel, Danzig, 12/2016

O-Töne sammeln in den Wäldern am 
Szczeciner Haff 
Foto: Christa Speidel 2016


In Sczeczin 2016 
am Platz der Solidarność
Foto: Christa Speidel


Visit Gedenkstätte Sachsenhausen 2016
Foto: David Pickles

Foto: Thomas Beurich
Lesung in Plauen 2015, rechts Utz Rachowski


Mit Christa am Griebnitzsee
Foto:ar 2015


Neusaß #2 
Foto: Emma Speidel


Frühstück beim Bildhauer Rainer Englert in Walldürn-Neusaß 
 und seiner Frau Tina Speidel, von Beruf Clown und Christas Schwester
Foto: Emma Speidel 2015
 
 


Auf der Festung Königstein 2015
Foto: Christa Speidel


Die Freundin Christa bei der 
Vorbereitung eines Geburtstages 
in Gantikow. 
Foto: AR, 6/2015.

In Egmont an der Nordsee, April 2015.
Foto: Selfie by Christa.



Rembrandts "Nachtwache", schwer belagert, 
im Rijks-Museum, Amsterdam, April 2015.
Foto: AR, 4/2015




Glücklich in Amsterdam (anlässlich der Ausstellung
'Late Rembrandt' im Rijks-Museum)
Foto: Christa Speidel, 4/2015.

Still des Trailers zum Film des Senders Deutschen Welle 
"Lernt polnisch!" (2014)
v.l.n.r Knut Dahlbor, , Axel Reitel 


Foto: Jenny Wirschky
für das Interviewmagazin "Stadtgeflüster"


Foto: 2013 Ule Kemal Mägdefrau
 Porträtfoto für den Klappentext des Buches
"Nachtzensur - DDR und Osteuropa zwischen 
Revolte und Reaktor-Katastrophe"
Mit einem Vorwort von Manfred Wilke


Geburtstagsreise zur Tochter nach Münster.
Wenn die Kinder gut gedeihen,
können wir sogar verzeihen,
was schlecht bestellt ist in der Welt  
Foto: Jenny Wirschky, Münster, Juli 2013



Foto: Jo Berghammer, Juli 2013
(in memoriam am Jürgen - Fuchs - Platz, Berlin - Dahlem).                 

Foto: Jürgen Bauer, Februar 2012
(im Kino Babylon, Buchpräsentation von Anna und Susanne Schädlich). 


                Foto: Jo Berghammer, Juli 2010
(nach der Rückkehr von einer Recherchereise aus Vietnam).

 St. Nicola
 St. Nicola
Marseille Entree Fort St. Nicola, 
Erstquartierung der Fremdenlegionäre
für den Einsatz im Ersten Inodchinakrieg
Foto: ar2007

Marseille Hafen. Weiter draußen die Ile de If.
Foto:ar2007


Foto: AR 2007, Aix en Provence, Hotel d' Oliver, Hotelgarten.
Ruhe vor der Hebung eines gesuchten
Schatzes im Nationalarchiv outre-mer, 29,
chemin du moulin de Testas
13090 AIX-EN-PROVENCE.


Foto: Scann 2006. Das Diplom des Poeten.
Ausgestellt vom mauretanischen Kulturministerium
für jeden einzelnen zum 1. Internationalen Poesiefestival
nach Nouakchott geladenen Poeten (m/w).


Foto: ein türkischer Kollege (den ich, sobald ich die
Teilnehmerliste wiederfinde, namentlich noch nachtragen
werde, auch weil ich mich, neben dem Genügen des Urheberrechts,
an ihn als einen humorvollen, großartigen Kollegen erinnere).
Das war im Dezember 2006, während meiner Lesung (aus 'Liebe Anarchie')
auf dem 1. Internationalen Poesiefestival,
in der Hauptstadt von Mauretanien,  in Nouakchott.


Foto: Mira Burgund (die kunstschützen), Berlin 2005.
Der Abdruck des Fotos wurde realisiert in der im Jahr darauf
erfolgten  Übernahme des Buches über den DDR-Jugendstrafvollzug,
sowie im Feature-Buch Schöne Jugend. Jugendliche im Widerspruch zur DDR,
mit einer Gemälde-Beigabe für das Cover von Hubertus Giebe).



Foto: Hubertus Giebe, 2005 in Lübeck, anlässlich der Giebe-Ausstellung
'Grafiken zum Roman „Die Blechtrommel“ von Günter Grass und zu anderer Literatur'
 im Günter-Grass-Haus (v.l.n.r: Axel Reitel, Günter Grass).
Die "Zwiebel" erschien im Jahr darauf. Vgl.auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Hubertus_Giebe


Plakat von Thomas Beurich für die CD-Prämiere
Axel Reitel & collegium novum
"ohne anzuklopfen"

Foto: Gabriele Weiß, Plauen (Ranch) 7. April 2001
Der 40. Geburtstag
Eine gelungene Aufnahme mit Katrin  

Foto: Selbstportrait im Pennsylvania Hotel, New York, 401 7th Ave,
New York, NY 10001 - Garment District, Januar 2001.



Foto: Jeanette Martin, Februar 2000, Plauen / Vogtland, während der Proben
 für das Musikalbum "ohne anzukopfen". Auf diesem Album wird u.a. deutsche
Gechichte erforscht, etwa im Titel 'Liebe (in Theresienstadt)', die Vertonung des
Gedichtes 'Liebe' von Dagmar Hilarova. Das Lied widmete ich,  aus gutem Grund,
Reiner und Elisabeth Kunze. Die Widmung wurde angenommen.

Ausstellungsplakat aus dem Jahr 2000,
mit Fotografien von mir und nach meiner Idee
"Autoren fotografieren",
die später geklaut wurde und in Magazinen wie
"ART" herumgeistert.



Foto: Alexander Neumann, Plauen 1999
Bei einer Ausstellung mit Gemälden und Möbeln
von Alexander Neumann
in der Galerie im Alten Malzhaus Plauen




Mit den Freunden Knut und Claudia in Prag, 1998



Foto: Knut Herzog, Prag 1998

  Foto: Margtit Hahn

V.l.n.r. Klaus Böldl, Gion Mathias Cavelty, Axel Reitel
Als Gäste der 1. Bayerischen Literaturtage 1997, im
Garten der Villa der Kaester-und-Häusler-Stiftung, FFB.


 
Foto: Alexander Neumann, Frühjahr 1996, Dresdner Oberland, 
 (Erscheinungsjahr von Zeitalter der Fische. Erzählungen  und dem 
Gedichtband 'Liebe Anarchie', u.a. mit den Shoa-Gedichten 
'Bericht aus meiner Mutterstadt' und 'Goldene Weizentürme, davor Margarete', 
und mit grafischen Beigaben von 
Hubertus Giebe)
   

Tschechien 1992

Foto: Katrin Zeh, Totes Meer, Januar 1992


Foto: Katrin Zeh, Jerusalem 1992.
Recherche-Reise in Israel.



Foto: Selbstportrait. Katrin Zeh.
Unser Hotelzimmer in Eilat/Israel,
im Süden der Wüste Negev, 1992. 

 Lesung 1991 in Plauen


                                                      Im Gepäck mein frisch gedrucktes Buch                                                                                                           "Das Glück in Mäusebach"                                                                                                    mit dem West-Berliner Oberbaum Verlag                                
zur Buchmesse in FFM 1989

   Kommilitonen-Reise nach Tübingen.
In Hölderlins Garten.
Auf dem Weidenast.
über dem Neckar,
keine Unrast
Foto: 1988, Frank Runge

Zu Heiligen Drei Könige 1988 in Spandau mit
den frisch übergesiedelten Eltern.
Foto: Hartmut Gruber


                                                   
                                                   Mit Tochter Jenny bei ihrer Tante Gabi                                                     und Onkel Hartmut in Spandau 1987
     Foto: Hartmut Gruber



Die Eltern nach ihrer Übersiedlung im Dezember 1987
in Berlin-West.
Foto: Hartmut Gruber

 Jesolo, Italien, Sommer 1987
v.l.n.r Susanne, ich, Jenny und Neffe Sebastian
Foto: Gabi Gruber
Venedig, Sommer 1987
v.l.n.r. Susanne, Jenny, Sebastian, Gabi
Foto: ich



Der Bruder Ralf Reitel als
US-Präsident Jerry Frost
im Stück "Der Präsident oder das Würstchen"
von Scott F. Fitzgerald.
Theater der Stadt Regenburg, 1987



Foto: Bernd Markowsky, Berlin - West, 1987,
kurz vor Erscheinen des Prosa-Debüts
"Zündhölzer für ein Manöver"


Mit der Studentenband "Erste Lektion" - 
Konzert im Café Limit in der Waldstraße 
in Berlin-Moabit, Sommer 1987 
v.l.n.r. Martin Walter, Frank Runge, Axel Reitel




Bandprobe. Berlin, Bismarckstraße 99, Foto: F. Runge



Foto: M.S., Berlin-Schöneberg, 1985


Portraitiert im Mai 1985 in Paris


Nike von Samothrake
Gips-Nachbildung
TU-Säulenhalle
Foto:ar 2019

Säulenhalle Tu-Berlin
 Foto:ar 2019



1985-1990

Eltern werden. Juli/August 1984
Bülowstraße 30 1000 Berlin 30
Foto: ?



In der ersten Wohnung in West-Berlin, Bülowstraße 30:
Susanne, Lebenspartnerin und Mutter der gemeinsamen 
Tochter Jenny.
Foto: AR, Berlin-West 1984.



Bauernhof Naidek/Tschechien, 1984.
Treffen von Freunden, die in den Westen gegangen sind,
 mit Freunden, die im Osten geblieben sind.
Foto: Helmut Möckel



Der Westen war damals das Beste -
er war die absolute die Freiheit -,
danach kam gleich das Treffen mit Freunden,
die noch in der zweiten deutschen Diktatur
ausharren mussten, wie hier, in einem viel
genutzten Bauernhof in Naidek/Tschechien.
Foto: Helmut Möckel, 1984.



Billard um halb zehn
in der Kneipe "Morrison Hotel",
nahe Hauptstraße, Berlin-Schöneberg.
Foto: SW Jahr (?)



 A Lullaby of Dreamland,
Neukölln 1985
Foto: SW



Mit der Tochter Jenny in der neuen
Wohnung in Neukölln, Nogatstraße 55
Foto: SW 1985


Die erste eigene Wohnung in West-Berlin,
in der Bülostraße 30.
Zu sehen die Lebensgefährtin Susanne,
schwanger mit unserer Tochter Jenny.
Foto: AR 1984

mit Susanne zum 23. Geburtstag, am 7. April 1984,
Bülowstraße 30 in Berlin-West


   
1983 in Saarbrücken
Zurück vom Besuch der Toten Dichter in Paris:
Jim Morrison, Heinrich Heine, Oscar Wilde, Edith Piaf, Frederick Chopin.

Die berühmten Freikauf-Busse.
Für mich war dies am 4. August 1982


 22. Mai 1982. Amnesty International in St. Louis, USA, 
bittet um die Freilassung 
des "Gewissensgefangenen" Axel Reitel
 


§99 StGB DDR
("Landesverräterische Nachrichtenübermittlung")
Freikauf-Knast Cottbus,1981


Die kreuzförmige Anlage der Untersuchungshaftanstalt
auf dem Chemnitzer Kassberg, wurde nach einem 
englischen  panoptisches System des 18. Jahrhunderts 
konzipiert, dass vom zentralen Rundbau aus dem
Aufsichtspersonal ermöglichte,  die drei 
übereinanderliegenden Zellengalerien in den 
Flügelbauten ständig unter Beobachtung zu haben.
Der Stasi, die Hausherren zu meiner Zeit, spielte das in die Karten.
Und das war der Grund, der zu DDR-Zeiten 
freitags oftmals buntschillernde Syarabach.
           Denn Freitags, so sagte der Volksmund,            
wurden bei den russischen Freunden 
die Panzer gewaschen...


                        Im Hausgarten der Myliusstraße 6                          
am Syrabach befanden sich unter 
   den wunderbaren Bäumen der       
Wäscheplatz und Kaninchenställe.
und ständig rauschte und säuselte es. 


Die Magic-Flat war die untere im Erker, rechts neben
dem Erker war die Küche, das Klo eine halbe Treppe 
tiefer, auf dem Boden gab es für jede Wohnung noch 
etwa ein halbes Zimmer.

Fotos Plauen, Myliusstraße 6: Archiv/Reitel
        Das Haus mit der Magic-Flat,"konspirativer"           
Abitur-Treffpunkt mit meinen Lehrern
Helmut und Georgia 1980-1981



Die Rückkehr bis 1979


Die Kettenburg im thüringischen Gräfentonna, 
war ein Jugendgefängnis, dessen Mauern mich im 
Herbst und früh einbrechenden Winter 1978 mahnten, 
"Merk Dir alles, schreib das auf." 
Elf Jahre später legte ich zur Buchmesse in FFM 
eine erste Erzählung über nicht unbrutal verlaufene
Selbsterziehung im Hause.




Erst mal nicht zum Abi sondern September 1977
zur Lehre im in den VEB Plamag.


,
Friedensoberschule Plauen, Weststraße
Schulhof und Schule. Zu sehen ist der Eingang B.  

  Der Poet als junger Dachs 
                                                             HBW, Augustusburg 1976                                                                                                    
Der erste Blick auf die Schule nach dem Aufstieg 
der steilen Treppe vom großen Hinterhof des 
      1929 fertiggestellten Bumerang-Blocks der Häuser 
Dobenaustraße 110-122 unten und oben 
der Häuser Schmidtstraße 8-12 und 14-18 
                                             

                                           Der Schulweg führte über den großen Hinterhof                                                                            und der steilen Treppe rechts zur Schmidtstraße,                               
    eine  der drei oberen Verbindungsstraßen zwischen        
Stadtpark, Oberem Bahnhof und Stadtzentrum. 







November 1962. 1 1/2 Jahre. Ränisstraße.
Früheste Erinnerung.
Große Menschen. Tolle Suits.
Offene Schiebetür. Extraordinärer Gurkentopf.
Tante Erikas Königspudeldame Astrid.

  


Juni 1961. April auf der Erde gelandet.
 Lebensreise gestartet.



Mittwoch, 17. Juli 2013

Radiolesung: Karl Marx in Wolken. Eine Erzählung

http://www.phonostar.de/radio/karl-marx-in-wolken/v/93777/2013-07-31
 


Am 31. Juli 2013, 15.05 - 15.30 Uhr, sendet SR 2 Kulturradio, in der Reihe "Fortsetzung folgt", meine Erzählung "Karl Marx in Wolken". Es war eine sehr angenehme Zusammenarbeit. Mein herzlichster Dank gilt von daher den guten Leuten von SR 2. 
 

Auf der Internetseite des Saarländischen Rundfunks ist der SR-Radiorecorder downloadbar, über den auch diese Sendung vorgemerkt werden kann. In diesem Fall würde sie dann automatisch aufgezeichnet.
 

Die Erzählung ist abgedruckt in: Via Knast in den Westen. Das Kaßberg Gefängnis und seine Geschichte. Herausgegeben von Nancy Aris und Clemes Heitmann. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2013. 

Hier entlang geht es zur Bestellseite des Verlagsanstalt: http://www.eva-leipzig.de/product_info.php?info=p3207_Via-Knast-in-den-Westen.html&XTCsid=6fbe0fb0d016a7c92e4e71b223ef4bea

Auch an die Herausgeber für die Sorgfalt und die ausgezeichnete Autorenbetreuung mein herzlichster Dank.

Freitag, 25. Januar 2013

Buchkritik: Weitergedachter Marx. Texte von und über Ludwig Mehlhorn


Weitergedachter Marxvon Axel Reitel







Ich habe hier ein glänzendes Buch. Und auf der Straße laufen zwei Jugendliche vorbei. 

Erster: „Gestern habe ich einen tollen Film angesehen, der war nur so… unrealistisch“. Zweiter: „Also modern“.

Das Buch heißt „In der Wahrheit leben“. Es ist ein Lebensmotiv. Es geht um die glänzende Textsammlung einer Persönlichkeit ersten Ranges. Und sie gehört unserer immer unrealis­tischer werdenden jüngeren Geschichte an. 

Für heutige Schulklässler ist diese Zeit so lange her wie Dinosaurier. Gut. Es geht um Ludwig Mehlhorn. Schauen wir uns die Eckdaten des Dinos an. 1950-2011. Mathematiker, Bürgerrechtler, politischer Akteur, brillanter Übersetzer, kristallklarer Essayist. Ziemlich frühes Engagement. Seit 1968. Eine Zeit, als es Kritik in der DDR noch „nicht als öffentliche wahrnehmbare Opposition“ gegeben hat (S. 31). 

Aktiv bei der Aktion Sühnezeichen und in der Evangelischen DDR-Studentengemeinde. Für das ihn von dort an begleitende Interesse an einer Versöhnung mit unserem Nachbarn Polen, er spricht die Sprache und kennt die Geschichte Polens, erhält er, mit einer anderen Hammer- Persönlichkeit, Wolfgang Templin, den DIALOG-Preis des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaft: vierzig Jahre später. „Vierzig Jahre“, mit dem Aus des Ostblocks ein stehender Begriff, bilden auch den Zeitkern der vorliegenden Texte. 

Der Rezensent wiederholt, es sind glänzende Texte. Nun warum also. In unserer Zeit der Dauerattacken durch Selbstmordattentäter mag man schon den Begriff „Engage­ment“ langweilig finden. Nur hat dieses Empfinden nichts Greifbares. Es plätschert so genussvoll-gleichgültig dahin. Muss man das akzeptieren? Ludwig Mehlhorn akzeptierte das nicht. Auch die gleichgültig machenden Staatsdirektiven der DDR, vom „Ich zum Wir“ etwa, ließen alles so Seinsvergessen (Heidegger) dahin klappern. 

Freilich kann man auch reflektieren. Wie Mehlhorn das eben tat. Der baute daraus einen Lieblingssatz. Der sagte, wir- o.k. - aber „wir müssen konkret werden.“ (S. 28) Occupy herrschte also schon damals. Geht es nicht um dieses „Konkrete“, um das mündige selbstbestimmte Sein, ganz aktuell in Europa? Mehlhorn gehörte zu denen, die Occupy heute sind. „Die Zeit ist reif, dass sich die Geister scheiden.“ (S. 47) Mehlhorn schrieb das im April 1987. 

Es geht um die „Erkenntnis“, dass „Schweigen zur Schuld führt“. Gemeint ist dabei einmal die „schweigenden Mehrheit in der Bevölkerung“, die den Machterhalt von Systemen der schlimmsten Sorte sichert. Ob man ein altes griechisches Drama aufschlägt oder die aktuelle globale Jugendbewegung verfolgt, es ist die Geschichte, für eine „erkannte Wahrheit“ einzustehen, und der rote Faden dieser Geschichte ist blutrot. 

So ist das jedenfalls unter Diktatoren und Mehlhorns Zeit war die Hoch-Zeit der Diktaturen. Jung wie Occupy, gewaltfrei wie Occupy, Aussöhnung die Absicht, „Brücken über Abgründe einer tragischen Vergangenheit“. Wer anders als die nicht in die politischen Exzesse verstrickte Jugend, kann das zwischen verfeindeten Völkern schaffen? 

Doch weder Diktatur der DDR noch die Diktatur in Polen wollten „Versöhnungs­arbeit“, „anteilnehmendes Verstehen, und Solidarität“ außerhalb ihres eigenen Aktions­radius dulden. Mehlhorns Occupy war wirksam. Mehr als nur interessant und wieder einmal auf heute verweisend ist, dass „das Verlassen der verordneten Sprache eine befreiende Wirkung“ hat. 

Darüber hinaus erzählt Mehlhorn in einer unaufgeregten Präzision, wie sie moderner nicht sein kann. Der DDR-Staat reagierte weniger verzückt. Gegen die populäre Streikbewegung „Solidarność“ reagiert die Staatsmacht Polens im Dezember 1981 mit der Verhängung des Kriegsrechts. Die DDR verhängt in Richtung Polen eine „totale Ausreisesperre“ (S. 164). 

Das ist üblich so in geschlossenen Systemen. Die Occupy-Bewegung von heute zeigt auch den Wert der bürgerlichen Freiheiten in einer Offenen Gesellschaft, auch wenn manche schon wieder die Freiheit ankotzt (Makabrer Werbespot, vom Rezensenten frei erfunden: Freiheit oder Job auf Lebenszeit? Wählen sie Diktatur - jetzt). Die Verhinderung des gegenseitigen Anteilnehmens „entfremdet“. Auch das erlebte Mehlhorn. Auch das erkannte Mehlhorn. Und auch hier hilft das Lesen. 

Was durch Grenzen von dir abgeschlossen wird, kommt in Form der Bücher als „freie Öffentlichkeit“ (S. 165) zur dir. Entfremdung bedeutet das Auseinandergehen der „Schere der sozialen Erfahrung“. Mehlhorn bringt uns solche starken Erkenntnisse nahe, zeigt, dass es immer auch um die „Brücken in die Zeit danach“ geht. Die Zeit danach war die Zeit nach den letzten europäischen Diktaturen. Die hatten sich spätestens 1989 erledigt. 

Lange vierundvierzig Jahre nach Hitler konnte sich Verfolgung und Unterdrückung weiterhin austoben. Fragt sich, warum die schlimmen Zeiten so lange dauern, wenn sie doch so banal, sind, wie Hannah Arendt konstatiert hatte. Nun mag das Böse banal sein, die Folgen des Bösen sind es nicht. Mehlhorn schrieb: „Die kommunistischen Parteidiktaturen gründen ihre Macht auf die Usurpation des Staates und die Unterwerfung der Gesellschaft. Durch die Verstaatlichung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens – Wirtschaft, Justiz, Bildung, Information u.s.w.- wurde der Bürger seiner individuellen und politischen Freiheitsrechte beraubt und die natürliche Pluralität der Gesellschaft abgeschafft…“ (S. 242). 

Das endlich ist weitergedachter Marx. Das ist Mehlhorn modern. Und das auch in der edlen Maske des Occupy-Musketiers. 

„In der Wahrheit leben“. Texte von und über Ludwig Mehlhorn. Herausgegeben von Stephan Bickhardt, 264 Seiten, Taschenbuch. Erschienen in der „Schriftenreihe des Sächsischen Landes­beauftragten für die Stasi-Unterlagen“. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig.
Quelle: http://www.tabularasa-jena.de/artikel/artikel_4164/

Freitag, 21. September 2012

Radioreportage: Wer war Siegfried Heinrichs?



                                       
RBB kulturradio
http://www.rbb-online.de/radio/programm/index.html
LITERATUR Mittwoch, den 03.10.2012, 17:04 - 18:00 Uhr
Wer war Siegfried Heinrichs?





Porträt des ost-westdeutschen Lyrikers und Verlegers, der im Frühjahr 2012 in Berlin verstarb


Der Autor hat für diese Sendung den Nachlass von Siegfried Heinrichs sichten können. Darunter befindet sich auch die Akte, voll mit brisantem Material. 
In der Reportage zu hören sind Katrina Pangritz, Hans Sahl, Siegmar Faust, Utz Rachowski, Dr. Hannes Schwenger, Dr. Jörg Bilke, vom Übersetzer Hans Skirecki und vom Geschäftsführer des ungarischen Druck- und Verlagshauses "Argumentum", Dr. Jószef Láng. 



(Der Inhalt wurde erstellt von collegiumnovum)







Fotonachweise:   

Mad Max Zukunft? Gegen die Utopie der Gefühllosen

Begrenzt solidarisch? Bereits die große Betroffenheit über den Terror der Hamas wurde übertönt vom orchestrierten Pro‑Palästina‑Getöse und d...