Montag, 19. Januar 2026

Mad Max Zukunft? Gegen die Utopie der Gefühllosen

Begrenzt solidarisch?

Bereits die große Betroffenheit über den Terror der Hamas wurde übertönt vom orchestrierten Pro‑Palästina‑Getöse und dem verstörenden Abkratzen der Bilder verschleppter jüdischer Geiseln.

Und bis heute fällt die Solidarität mit Israel allgemein geringer aus als die mit der Ukraine seit Beginn von Putins blutigem Krieg.

Warum?

Eine Gesellschaft braucht Solidarität. Darin sind sich fast alle einig. Weniger Einigkeit scheint darüber zu bestehen, was das eigentlich bedeutet. Größere Einigkeit herrscht offenbar im Schweigen gegenüber den Opfern islamistischen Terrors. Wie kann das ausgerechnet der Fall sein? Wo islamistische Gewalt eskaliert, geschieht das auf so grauenvolle Weise, dass sie an die nationalsozialistischen Konzentrationslager erinnert. Und das wird auf unseren Straßen beklatscht. Sind die noch zu retten? Oder ist das übertrieben?

Sonja Bohl-Dencker hat am 7. Oktober 2023 ihre Tochter Carolin, die damals gerade zu Besuch im Kibbuz Nir Oz war, verloren.
Foto: Cosima Hanebeck / Fotoetage

Carolin Bohl war eine junge Deutsche aus Niedersachsen, die in Berlin studierte. Am 7. Oktober 2023 wurden sie und ihr israelisch-britischer Freund Danny Darlington im Kibbuz Nir Oz von Hamas-Terroristen brutal ermordet. Carolin war eine von mehreren deutschen Staatsbürgern, die an diesem Tag getötet wurden – und doch wurde ihr Name in der deutschen Öffentlichkeit kaum erwähnt. Im Interview spricht ihre Mutter Sonja Bohl-Dencker über den Verlust, das Schweigen der Gesellschaft und ihren Wunsch, dass Carolin nicht vergessen wird.

Frau Bohl-Dencker, wie geht es Ihnen heute – fast zwei Jahre nach Ihrem unfassbaren Verlust?
Schlecht! Ich vermisse Carolin so sehr. Es ist kaum auszuhalten. Natürlich gibt es bessere und schlechtere Tage. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch mal Tage geben wird, an denen ich sagen kann, dass ich glücklich bin. Trotz der unermesslichen Trauer kann ich mich aufraffen, in Gang zu bleiben, Dinge zu erledigen. Ich habe meine Hunde, um die ich mich kümmern muss, ich arbeite einige Stunden in der Woche, engagiere mich nach wie vor ehrenamtlich. Aber alles kostet deutlich mehr Kraft als früher. Am Abend bin ich sehr erschöpft. Trotzdem kann ich häufig schlecht schlafen, besonders in Phasen, die in Zusammenhang mit emotional zusätzlich belastenden Ereignissen stehen (zum Beispiel am Geburtstag von Carolin oder an ihrem Todestag). Mein Mann ist mir eine große Stütze. Aber er ist beruflich sehr viel unterwegs. Daher ist es gut, dass wir die Hunde haben. Dann bin ich nicht allein und muss mich kümmern, egal wie ich mich fühle.

Was wissen Sie über die letzten Stunden Ihrer Tochter? Gibt es Dinge, von denen Sie denken, dass unsere Leser in Deutschland sie erfahren sollten?
Carolin und ich hatten ein sehr enges Verhältnis. Wenn es Probleme gab, hat sie sich sofort bei mir gemeldet. So auch am 7. Oktober 2023 um 6.16 Uhr (deutsche Zeit). Sie schrieb auf WhatsApp: »Hey mum, wenn du das liest, bleib ganz ruhig.« »Wir sind gestern doch nicht nach Tel Aviv gefahren, sondern im Kibbuz geblieben.« »Jetzt ist tatsächlich ein Krieg ausgebrochen.« »Aber wir sind im Bunker.« Ich bin natürlich nicht ruhig geblieben, hatte mir aber zunächst keine ganz großen Sorgen gemacht. Ich war selbst im Urlaub und am Packen, da wir früh los wollten. Erst im Auto habe ich nachschauen können, was geschehen ist, und habe die schlimmen Nachrichten gesehen. Ich wurde immer unruhiger, habe aber noch nicht gewusst, wie dramatisch die Lage ist. »Bunker« hörte sich für mich, die bisher noch keinerlei Kontakte zu Israel hatte, sicher an. Mit meinem heutigen Wissen hätte ich mir sofort ganz andere Sorgen gemacht.

Was wissen Sie heute darüber?
Carolin und Danny waren allein in einem Haus im Kibbuz und waren im Schutzraum, in dem sie ohnehin geschlafen hatten. Danny hatte Kontakt zu einigen aus dem Kibbuz, aber nur per WhatsApp. Sie wollten nicht telefonieren, um leise zu sein. Der Schutzraum in dem Haus war nicht abschließbar. Ich weiß nicht, ob die beiden versucht haben, die Tür zuzuhalten. Ich denke schon. Aber die Tür war durchschossen. An der Tür stehend, wurden sie also sicher schon verletzt und konnten dann keinen Widerstand mehr leisten. Die Terroristen sind dann in den Schutzraum eingedrungen und müssen mehrfach geschossen haben, vielleicht mit Maschinengewehren. Die Wände in dem Schutzraum sind zumindest mit vielen Einschusslöchern übersät. Carolin wurde ins Bein, in den Rücken und in den Nacken geschossen. Wie lange sie leiden musste, weiß ich nicht. Der Schuss in den Nacken muss sofort tödlich gewesen sein, wie der Pathologe mitgeteilt hat. Aber ob sie die anderen Schussverletzungen schon durch die Tür erlitten hat, weiß ich auch nicht.

Hatten Sie kurz vor Carolins Tod noch Kontakt mit Ihrer Tochter?
Kurz vorher muss sie schon gewusst haben, dass die Lage dramatisch ist. Sie muss also fürchterliche Angst gehabt haben. Um 8.06 Uhr (deutsche Zeit) schrieb sie mir: »Ich liebe dich mit meinem ganzen Herzen momichen.« »Und bin dir unendlich dankbar für alles alles alles.« Danach habe ich keine Nachricht mehr bekommen. Wir gehen nach verschiedenen Informationen, die wir später erhalten haben, davon aus, dass sie so gegen 8.15 Uhr erschossen wurde.

Im Gegensatz zu anderen Opfern wurde über Ihre Tochter in Deutschland kaum gesprochen. Wie erklären Sie sich dieses Schweigen?
Viele Menschen wissen gar nichts von Carolins Schicksal. Diese Erfahrung mache ich immer wieder. Nachdem wir am 8. Oktober von ihrem Tod erfahren haben, haben wir allerdings auch alle Anfragen von Medien abgelehnt. Es waren nicht viele. Aber zu dieser Zeit konnte ich mir trotzdem nicht vorstellen, mit Fremden darüber zu sprechen. Ich musste überhaupt erst einmal begreifen, dass meine Tochter nicht mehr da ist, ich sie nie wiedersehen werde.

Wann haben Sie angefangen, über das, was Carolin angetan wurde, öffentlich zu sprechen?
Wenn die Nachricht dann nicht mehr »frisch« ist, scheint es für die Medien auch nicht mehr interessant zu sein. Mir war spätestens zum ersten Todestag klar, dass das Schicksal von Carolin bekannter werden muss. Das ZDF hat eine Anfrage, ob es über Carolin berichten möchte, gar nicht beantwortet. Der Bericht über meine Fahrt nach Nir Oz zum 7. Oktober 2024 im »Spiegel« war schrecklich. Ein weiterer Bericht, der im »Spiegel« erschienen ist, und einer in der Berliner »taz« zum 7. Oktober waren gut. Trotzdem ebbte das Interesse wieder ab. Ein Veranstalter aus Berlin hat lieber eine Mutter aus Israel einfliegen lassen, als mich einzuladen. Ich kann mir nicht so recht erklären, warum das so ist. Vielleicht wollen einige den 7. Oktober als rein »israelisches Problem« sehen. Es wird ja auch selten erwähnt, dass deutlich mehr deutsche Staatsangehörige betroffen sind als nur Carolin.

Was hat das mit Ihnen gemacht – als Mutter, aber auch als Bürgerin dieses Landes?
Ich fühle mich alleingelassen. Dass auch Deutsche ermordet wurden, scheint hier in Deutschland nur wenige zu interessieren.

Gab es in Deutschland irgendeine Form öffentlicher oder institutioneller Anteilnahme, die Sie als ehrlich empfunden haben?
Ich habe verschiedene Kondolenzschreiben erhalten. Teilweise waren diese nett formuliert und schienen mir ehrliche Anteilnahme auszudrücken. Aus Berlin kam nur ein Standardschreiben. Das war’s. Es gab ein paar Schreiben, mit denen ich informiert wurde, wo ich mir Hilfe organisieren könnte. Telefonisch war niemand zu erreichen, oder die Person hatte keine Ahnung. Zur großen Gedenkveranstaltung am 7. Oktober 2024 in Berlin, organisiert von der evangelischen Kirche und einer jüdischen Gemeinde, über die überregional berichtet wurde, war ich nicht eingeladen. Aber vielleicht sollte diese nur für Berliner sein. Immerhin gibt es seit vier Jahren auch in Deutschland einen »Nationalen Gedenktag für die Opfer terroristischer Gewalt«. In diesem Jahr wurde ich dazu eingeladen. Das erste Mal, dass ich mich als Hinterbliebene eines Opfers terroristischer Gewalt in Deutschland richtig wahrgenommen fühlte. Die israelische Botschaft hat mich ebenfalls zum israelischen Gedenktag Jom Hasikaron eingeladen. Ich finde diese Gedenktage sehr wichtig.

Wie nehmen Sie den Umgang mit den israelischen Opfern des 7. Oktober in der deutschen Öffentlichkeit wahr? Fühlen Sie sich und Ihre Tochter als Teil dieser kollektiven Erinnerung?
Hier in Deutschland nicht. Von Carolin wissen ja nur wenige. Das ändert sich in diesem Jahr ein wenig. Aber die deutsche Öffentlichkeit wird inzwischen auch nicht mehr ordentlich informiert. Selbst in den öffentlich-rechtlichen Medien wird israelfeindlich berichtet, ohne zwischen Regierung und Bevölkerung zu unterscheiden. Die ARD dürfte hier durch ihre Korrespondentin in Tel Aviv Vorreiterin sein. Ich kann das natürlich nicht für alle Medien beurteilen. Aber die Tendenz »Israel ist nicht Opfer, sondern Täter« verbreitet sich immer weiter. Dadurch werden auch die israelischen Opfer des 7. Oktober vergessen oder erscheinen »uninteressant«, auch Carolin.

Haben Sie Unterstützung aus der jüdischen oder israelischen Community erhalten – vielleicht mehr als aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft?
Deutlich mehr! Als ich zum 7. Oktober 2024 in Israel war, habe ich gespürt, hier fühlt jeder so wie ich. Nicht jeder, aber fast alle nehmen den 7. Oktober ganz anders wahr als hier in Deutschland. Und das ist bei den in Deutschland lebenden Juden auch der Fall. Auch wenn sie nicht persönlich durch die Trauer um einen Angehörigen betroffen sind. Hier in Deutschland, auch in meinem weiteren Umfeld, ist man zur Tagesordnung übergegangen. Da fragen nur noch nahe Freunde und die Familie, wie es mir oder uns geht. Anders die jüdische und israelische Community. Von dort werde ich häufiger gefragt, wie es mir gehe. Die Erinnerungskultur ist nach meinem Gefühl eine andere. Und ich bin nun Teil davon.

Was wünschen Sie sich heute – für das Gedenken an Ihre Tochter?
Dass sie nicht vergessen wird.




Montag, 29. Dezember 2025

Im Namen von Freiheit und Demokratie für den Iran – jetzt und für immer: Menschen sind niemandes Eigentum (## **مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند** به نام آزادی و دموکراسی برای ایران – اکنون و برای همیشه)

Menschen sind niemandem Eigentum 

Im Namen von Freiheit und Demokratie für Iran – jetzt und für immer.

deutsch / Farsi - s.u. - (wie gesungen)

https://www.youtube.com/watch?v=pHDcMjdSfg0

[Refrain]

Menschen sind niemandes Eigentum 

Jeder hat sein eigenes Licht.

Dreh es so oder so herum

Niemand ist da für das, was du dir versprichst.

Wer bei sich ist, hat ein gutes Wort,

Und das zählt an jedem Ort.



[Vers]

Und trennt ihn nicht von seinen Freunden,

Und geh nicht davon aus, dass du seine Bedeutung und sein Zweck bist.

Beginne nicht seine Fähigkeiten zu verleumden.

Die Worte, die heilen, sind, wie das Leben ist.


[Refrain]

Menschen sind niemandes Eigentum 

Jeder hat sein eigenes Licht.

Dreh es so oder so herum

Du besitzt ihn nicht.

Niemand ist da für das, was du dir selbst versprichst.

Wenn du bei dir bleibst, findest du das Wort,

Vor dem flieht das falsche Wesen fort.


[Vers]

Menschen sind niemandes Eigentum 

Was willst du tun? Willst du ihn anketten?

Drehe es so der so herum

Wie lange wird das funktionieren? Bis das Schicksal spricht, wetten?


[Brücke]

Und niemand sagte zu dir: Sag nein?

Heute jammerst du, du befolgst nur Befehle.

Und du schreist: Vergebt mir, ich will nicht so einsam sein.

Schau, wie jung sie alle sind und wieder frei und glücklich in der Seele.


[Refrain]

Menschen sind niemandes Eigentum 

Jeder hat sein eigenes Licht.

Dreh es so oder so herum.

Niemand ist da für das, was du dir versprichst.

Wer bei sich ist, hat ein gutes Wort,

Und das zählt an jedem Ort.


[Vers]

Sie sind alle frei und lieben die Freiheit,

Und sie leben ihr Leben, wie sie wollen.

Deshalb wirst du fallen – du quälst andere wegen deiner Fantasien.

Menschen sind niemandem Eigentum.

Wenn du das denkst, denkst du in Ketten.

Wie lange wird das funktionieren? Bis dein Schicksal spricht, wetten?


[Punkt]

Menschen sind niemandes Eigentum 

Jeder hat sein eigenes Licht.

Dreh es so oder so herum.

Niemand ist da für das, was du dir versprichst.

Wer bei sich ist, hat ein gutes Wort,

Und das zählt an jedem Ort.


[Brücke 2]

Alle Menschen sind frei und sie möchten frei sein.

Eines Tages warst du frei – wer hat dir deine Freiheit gestohlen?

Erlebe deine Freiheit noch einmal, lass sie herein.

Die Menschen werden sich ihre Freiheit immer zurückholen.


[Punkt]

Menschen sind niemandes Eigentum 

Jeder hat sein eigenes Licht.

Dreh es so oder so herum.

Niemand ist da für das, was du dir versprichst.

Wer bei sich ist, hat ein gutes Wort,

Und das zählt an jedem Ort.


Axel Reitel, Komposition und Text  

Berlin, 29. Dezember 2025


# 🇮🇷 **Farsi‑Übersetzung (optimiert für Sinn, Rhythmus und Würde)**

https://www.youtube.com/watch?v=pHDcMjdSfg0

## **مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند**  

به نام آزادی و دموکراسی برای ایران – اکنون و برای همیشه

### **[ترانه‌سرا]**  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

هر کسی نورِ خودش را دارد  

از هر طرف نگاهش کنی  

هیچ‌کس برای خواسته‌های تو به دنیا نیامده  

کسی که با خودش آشتی باشد، سخنِ نیک می‌گوید  

و این در هر جایی ارزش دارد


### **[بند]**  

او را از دوستانش جدا نکن  

و فکر نکن که معنای زندگی و هدفش تو هستی  

توانایی‌هایش را کوچک نشمار  

کلماتی که درمان می‌کنند، همان حقیقتِ زندگی‌اند


### **[ترانه‌سرا]**  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

هر کسی نورِ خودش را دارد  

از هر طرف نگاهش کنی  

تو مالکِ او نیستی  

هیچ‌کس برای رؤیاهای تو به دنیا نیامده  

اگر با خودت بمانی، آن کلمه را پیدا می‌کنی  

که موجودِ دروغین را فراری می‌دهد


### **[بند]**  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

می‌خواهی چه کار کنی؟ می‌خواهی او را زنجیر کنی؟  

از هر طرف نگاهش کنی  

این تا کی دوام می‌آورد؟ تا وقتی که سرنوشت سخن بگوید، شرط می‌بندیم؟


### **[پل]**  

و هیچ‌کس به تو نگفت: «نه بگو»  

امروز ناله می‌کنی که فقط دستور اجرا می‌کردی  

و فریاد می‌زنی: ببخشید، نمی‌خواهم این‌قدر تنها باشم  

ببین چقدر جوان‌اند، آزاد و شاد در جانشان


### **[ترانه‌سرا]**  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

هر کسی نورِ خودش را دارد  

از هر طرف نگاهش کنی  

هیچ‌کس برای خواسته‌های تو به دنیا نیامده  

کسی که با خودش آشتی باشد، سخنِ نیک می‌گوید  

و این در هر جایی ارزش دارد


### **[بند]**  

همه آزادند و آزادی را دوست دارند  

و زندگی‌شان را همان‌طور که می‌خواهند زندگی می‌کنند  

به همین دلیل سقوط خواهی کرد – چون دیگران را برای خیال‌هایت آزار می‌دهی  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

اگر چنین فکر کنی، در زنجیر فکر می‌کنی  

این تا کی دوام می‌آورد؟ تا وقتی که سرنوشت سخن بگوید، شرط می‌بندیم؟


### **[پایان]**  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

هر کسی نورِ خودش را دارد  

از هر طرف نگاهش کنی  

هیچ‌کس برای خواسته‌های تو به دنیا نیامده  

کسی که با خودش آشتی باشد، سخنِ نیک می‌گوید  

و این در هر جایی ارزش دارد


### **[پل ۲]**  

همه انسان‌ها آزادند و می‌خواهند آزاد باشند  

روزی تو هم آزاد بودی – چه کسی آزادی‌ات را از تو گرفت؟  

آزادی‌ات را دوباره تجربه کن، بگذار وارد شود  

مردم همیشه آزادی‌شان را پس می‌گیرند


### **[پایان]**  

مردم ملکِ هیچ‌کس نیستند  

هر کسی نورِ خودش را دارد  

از هر طرف نگاهش کنی  

هیچ‌کس برای خواسته‌های تو به دنیا نیامده  

کسی که با خودش آشتی باشد، سخنِ نیک می‌گوید  

و این در هر جایی ارزش دارد


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Sonntag, 28. Dezember 2025

Lernen aus der Geschichte: Die Ritchie Boys. Geheimwaffe der Alliierten


Die Ritchie Boys: Die Geheimwaffe der Alliierten

Die geheime Ausbildung von Camp Ritchie verwandelte jüdische Einwanderer in eine der effektivsten Nachrichtendienste Amerikas.

Eileen C. Moore

                                                       
(United States Army Signal Corps/theritchieboys.com)


Die Ritchie Boys waren eine geheime US-Militärgeheimdiensteinheit während des Zweiten Weltkriegs, die hauptsächlich aus jüdischen Flüchtlingen aus dem nationalsozialistischen Deutschland bestand, die im idyllischen Camp Ritchie in den Blue Ridge Mountains in Maryland ausgebildet wurden. Nach der Ausbildung wurden sie zusammen mit anderen US-Truppen nach Europa verschifft und landeten am 6. Juni 1944, dem D-Day.


It’s amazing we don’t know more about the Ritchie Boys. The reason is that the Army kept their operation classified as top-secret until well into the 1990s. Since the Ritchie Boys were told not to talk about their ­mission, most didn’t join veterans’ groups, and their stories haven’t been widely spread.


Zur Zeit der Kristallnacht, bekannt als die Nacht des zerbrochenen Glases, am 9. November 1938, waren bereits Zehntausende deutsche Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert. Von da an war es jedoch fast unmöglich, ganze Familien aus Deutschland herauszukommen. Durch die Bemühungen jüdischer Hilfsorganisationen konnten Familien ein Kind unter 16 Jahren in Sicherheit bringen. Viele Eltern entschieden sich, ihren ältesten Sohn zu verabschieden, um den Familiennamen weiterzuführen. Jahrzehnte später bemerkte einer der ehemaligen Ritchie Boys: "Ein Visum für die Vereinigten Staaten war das wertvollste Dokument der Welt."


Nachdem sie gesehen hatten, was in Europa geschah, waren diese jungen Juden überzeugte von der US-Demokratie, Freiheit und Patriotismus. Als Amerika nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 in den Krieg eintrat, waren sie begierig darauf, mit dem amerikanischen Militär zu kämpfen. Viele versuchten, sich zu verpflichten, wurden aber abgewiesen, weil sie als feindliche Ausländer angesehen und als Sicherheitsrisiko galten.


Nachdem General George C. Marshall jedoch eine Aufklärungsausbildung im britischen Militär erhalten hatte, machte er sich Sorgen über deren Mangel in der US-Armee. Irgendwann erkannte die Regierung, dass in Deutschland geborene Flüchtlinge über unschätzbare Sprachfähigkeiten verfügten und die Kultur, Bräuche und psychologische Zusammensetzung der Deutschen kannten. Die USA nahmen sie daher in die Armee ein, selbst diejenigen, denen zuvor der Eintritt ins Militär verweigert worden war. Diese feindlichen Ausländer wurden sofort zu US-amerikanischen Staatsbürgern eingebürgert.


Mitte 1942 begann die Armee, die jungen jüdischen Einwanderer zu einer streng geheimen, entscheidenden Kraft zu formen, um den Krieg in Europa zu gewinnen.


Camp Ritchie wurde von der Nationalgarde von Maryland gegründet, aber 1942 von der US-Armee übernommen. Als die neuen jüdischen Bürger eintrafen, hatte Camp Ritchie Nachbildungen deutscher Dörfer. Die Wachen trugen deutsche Uniformen, einige Wehrmachtsuniformen, einige Gestapo und jede andere Art von deutscher Uniform aller Dienstgrade. Vom Abgeordneten am Tor bis zu allen im Lager sprachen alle Deutsch. In den simulierten Dörfern fanden deutsche kulturelle und militärische Aktivitäten statt. Sie veranstalteten sogar Scheinkundgebungen.


Die falsche deutsche Atmosphäre war so überzeugend, dass die nahegelegenen Bauern in Maryland Angst hatten. Sie waren überzeugt, dass Amerika überfallen worden war.


Die Männer verbrachten die meiste Zeit in Klassenzimmern, um die Feinheiten des Verhörs zu lernen. Sie wurden auch viele weitere Fähigkeiten beigebracht. Sie lernten Morsecode, wie man Propaganda schreibt und wie man Luftaufnahmen interpretiert. Außerhalb der Klassenräume lernten sie Nahkampf, etwa wie man eine Person schnell tötet.


Im Lager trafen die deutsch-amerikanischen Juden oft andere, die sie kannten. Es kam häufig vor, dass die Männer jemandem begegneten, mit dem sie in Deutschland aufgewachsen waren, bevor sie flohen.


Einer der Ritchie Boys, Paul Fairbrook, erklärte später, wie begeistert er und andere deutsche Juden ihre Zeit in Camp Ritchie betrachteten. "Schau, ich bin ein deutscher Jude und es gibt nichts, was ich mir mehr wünsche, als mich an Hitler zu rächen, der meine Familie, meine Onkel, meine Tanten und meine Cousins getötet hat. Und es gab keinen Zweifel in meinem Kopf oder den Männern in Camp Ritchie. Wir waren alle auf derselben Wellenlänge. Wir waren begeistert, die Gelegenheit zu bekommen, etwas für die Vereinigten Staaten zu tun."



Mock-up: Camp Ritchie enthielt lebensgroße Nachbildungen deutscher Dörfer, damit die Auszubildenden Straßenkämpfe üben konnten. (United States Army Signal Corps/theritchieboys.com)

Most Ritchie Boys parachuted onto Omaha Beach in Normandy on D-Day. Bodies were everywhere on the beach when they landed. The smell of death was terrible. Years later, one of the Ritchie Boys said that no movie can re-create the stink of war, and that if people could just smell it, they would become pacifists.

The Ritchie Boys joined Gen. George S. Patton’s forces and raced with the tanks across occupied France. They fought in the Battle of the Bulge and took part in every other campaign and battle.

Most of the Ritchie Boys were known as IPWs, interrogators of prisoners of war. They were divided into six-man teams. Tens of thousands of Third Reich prisoners and civilians were interrogated by these teams. One of the Ritchie Boys authored the book Order of Battle of the German Army, which permitted all the interrogators to better question German POWs because it identified the dates and places of every battle fought by the German Army.

Die Ritchie Boys sammelten wertvolle Informationen über feindliche Stärke, Verluste, Truppenbewegungen, Verteidigungsstellungen und Moral. Sie würden herausfinden, wo ein Minenfeld war, wo ein Maschinengewehrnest war und wie viele Maschinengewehre es in jedem Nest gab. Die Ritchie-Boy-Teams konnten so detaillierte Informationen liefern, dass amerikanische Haubitzen tödlich genau waren.


Ihr Ziel war es, einen Kriegsgefangenen so schnell wie möglich nach der Gefangennahme und vor der Aufnahme zu verhören. Neu gefangene Gefangene waren ängstlicher und verwirrter und eher bereit, Informationen zu liefern. Außerdem, da sich die Dinge so schnell änderten, gilt: Je schneller die USA wussten, was die Kriegsgefangenen wussten, desto wertvoller waren die Informationen.


Sie vermieden Gewalt und Drohungen bei ihren Verhören und entschieden sich für einen sanfteren Ansatz. Sie begannen das Gespräch und boten ihnen eine Zigarette an. Die erste Frage könnte sein: "Wie wurden Sie gefangen genommen?" Viele Ritchie Boys vermieden es, Notizen zu machen, weil dies die Gefangenen sicherheitsbewusst machte und sie daran erinnerte, dass sie nichts sagen sollten.


Ein Ritchie Boy erkannte einen Namen auf einer Gefangenenliste. Er und der Kriegsgefangene gehörten demselben Sportverein in Deutschland an. Sie hatten oft in der Leichtathletik gegeneinander gekämpft. Er dachte daran, ihn aufzusuchen, um Informationen über seine Familie zu erfahren, tat es aber nicht, weil er die Antwort fürchtete.


Die Ritchie Boys nutzten außerdem Lautsprecher, um die deutschen Truppen in ihrer eigenen Sprache zur Kapitulation aufzufordern. Sie verfassten angeblich, aber nicht wirklich, ein Flugblatt, das von General Dwight D. Eisenhower unterzeichnet wurde. Das Flugblatt forderte die deutschen Soldaten auf, es jedem amerikanischen Soldaten zu übergeben, und ihnen würde ein sicheres Geleit gewährt. Viele deutsche Soldaten übergaben während ihrer Kapitulation ein Flugblatt.


Bis zum Ende des Krieges wurde geschätzt, dass 60 Prozent der in Europa gesammelten glaubwürdigen Informationen von den Ritchie Boys stammten.



Gegenspionage: Ritchie Boys wurden in fortgeschrittenen Verhörtechniken ausgebildet, mit denen sie Informationen von deutschen Kriegsgefangenen gewinnen konnten. (United States Army Signal Corps/theritchieboys.com)

Während des Zweiten Weltkriegs prägte das Militär weiterhin die Religion eines Soldaten auf seine Hundemarken. Das war eine beängstigende Aussicht für die jüdischen Soldaten. Wenn sie von den Nazis gefangen genommen würden, fürchteten sie, keinen Schutz als Kriegsgefangene nach der Genfer Konvention zu erhalten oder hingerichtet zu werden, weil sie deutsche Juden in der US-Armee waren. Viele schafften es, einen Teil des H für Hebräisch abzukratzen und es wie P für Protestant aussehen zu lassen.

Moving within units and moving from one unit to another required passwords. One team of Ritchie Boys passed from one division to another and didn’t know the password for the new division. They explained who they were, but it was at a time when German troops were masquerading as Americans, wearing U.S. military uniforms. When the Americans who were demanding the password heard their German accents, they raised their rifles. The Ritchie Boys tried to explain they really were Americans, upon which the challengers asked them questions any American could answer. What’s the Windy City? Who won the World Series? None of the Ritchie Boys knew the answers. Finally, they were taken to the commanding officer and permitted to explain who they were. The C.O. gave them the password, sent them on their way, and warned them not to speak German.

Another time, a Ritchie Boy in his own unit was on his way to the latrine when he was challenged to give the password. He gave the correct password, but he did it with a German accent. He was shot and killed.

The Ritchie Boys sometimes got a bit theatrical. From a released Russian prisoner, Ritchie Boy Günther “Guy” Stern obtained a Soviet military uniform adorned with medals and patches. German POWs were terrified of being taken prisoner by the Russians. Thus, when POWs were not forthcoming with information, Stern would sometimes pose as Commissar Krukov and speak German with a strong Russian accent. He talked about sending the prisoner to Siberia. It was sort of a good cop/bad cop routine. After “Commissar Krukov” mentioned Siberia, a “good cop” Ritchie Boy would tell the POW he might be able to help him. That usually got an uncooperative POW talking.


But nothing tops a story Stern tells in the 2004 documentary The Ritchie Boys. It seems a few on his team were feeling lighthearted and decided to give the fellows back at headquarters a laugh. They concocted a yarn about interrogating a prisoner who had been Hitler’s latrine orderly, and Stern filled out a phony interrogation report. The report related how the orderly described Hitler’s shrunken testicles and other crude comments about Der Führer’s private parts. The guys at headquarters got a big kick out of it.


Leider leitete jemand den Bericht nach Washington, D.C. weiter. Etwa eine Woche später kam ein Oberst aus Washington D.C. zu Sterns Team und bat darum, mit dem Kriegsgefangenen zu sprechen, der Hitlers Ordonnanz war. Noch bedauerlicher ist, dass der gefälschte Bericht seinen Weg in die Nationalarchive gelangte, und einige Wissenschaftler nahmen die Informationen in ihre historischen Schriften auf.


Während der Dokumentation, als Stern während seiner Erzählung dieser Geschichte laut lachte, witzelte ein weiterer Ritchie Boy, Fred Howard: "Nur in der amerikanischen Armee."


Das Ende beginnt: Guy Stern (links) feiern zusammen mit den Ritchie Boys-Kollegen Walter Sears (Mitte) und Fred Howard den V.E. Day in Deutschland, 8. Mai 1945. (United States Army Signal Corps/theritchieboys.com)

Deutschland kapitulierte am 8. Mai 1945. So marschierten die Ritchie Boys zurück in das Land, in dem sie geboren wurden. Aber sie fanden ihre Häuser leer vor.


Die Ritchie Boys wurden daraufhin Teil des Entnazifizierungsprogramms, einer alliierten Initiative nach dem Zweiten Weltkrieg, um den nationalsozialistischen Einfluss aus der deutschen Gesellschaft, Kultur und Politik zu entfernen, indem sie NSDAP aus Machtpositionen entfernten, NS-Organisationen auflösten und prominente Nazis wegen Kriegsverbrechen vor Gericht stellten. Sie sammelten auch Beweise für Nachkriegsprozesse.


Die jüdischen Soldaten bereiteten einen Fragebogen vor, der im Rahmen des Entnazifizierungsprozesses von jedem Deutschen ausgefüllt werden musste. Ein Ritchie Boy sagte, dass fast jeder Zivilist, mit dem er sprach, behauptete, für den Widerstand gearbeitet zu haben. Und viele Nachbarn warfen anderen vor, pro-nazistisch zu sein.


Die Ritchie Boys führten die Bürger des Landes auf Touren durch Konzentrationslager. Manchmal wurden ganze deutsche Städte gezwungen, den Toten die Ehre zu erweisen. Fotos von Nazi-Gräueltaten wurden in Schaufenstern angebracht.


Ritchie Boy Fred Howard fasste seine Erfahrung in der Dokumentation zusammen: "Es war ein unglaublicher Einwanderungsprozess." Als Zeugnis für ihre erfolgreiche Einwanderung kehrten die Ritchie Boys nach Amerika zurück und setzten ihr Leben fort. Ich konnte nur herausfinden, wie einige der tausenden Ritchie Boys nach dem Krieg ihr Leben verbrachten, aber das Wenige, was ich fand, zeigt, dass der amerikanische Traum für sie wahr wurde. Vielleicht kennst du sogar einige der Namen!


Werner Angress, Geschichtsprofessor in Berkeley; Si Lewen, Künstler; Henry Kissinger, Nationaler Sicherheitsberater und Außenminister; Rudy Michaels, Richter am Sacramento Superior Court; Morris Parloff, Psychiater am National Institute of Mental Health; J.D. Salinger, Autor von Fänger im Roggen; Richard Schifter, US-Botschafter bei den Vereinten Nationen; Rudolph Schirmer, Verleger klassischer Musik.


Nachdruck aus der Daily Journal, Copyright 2025. Nachdruck mit Genehmigung.


Anmerkung der Redaktion: Am 14. Februar 2006 erließ der Kongress die House Concurrent Resolution 315, die lautet: "Beschlossen ... dass der Kongress den Präsidenten auffordert, jedes Jahr eine Proklamation zu erlassen, in der die Bundesstaaten, lokale Regierungen und das Volk der Vereinigten Staaten dazu aufrufen, einen American Jewish History Month mit angemessenen Programmen, Zeremonien und Aktivitäten zu begehen." Seitdem wurden jährlich im Mai von den Präsidenten Bush, Obama, Trump und Biden Proklamationen abgegeben.


Richterin Eileen C. Moore vom kalifornischen Berufungsgericht ist eine ausgezeichnete Kampfkrankenschwester, die in Vietnam mit dem Army Nurse Corps diente. Als Mitglied der Vietnam Veterans of America ist sie Autorin von zwei Büchern: Race Results: Hollywood vs. the Supreme Court: Ten Decades of Racial Decisions and Gender Results: Hollywood vs. the Supreme Court.


Dieser Artikel ist in der Januar/Februar 2026-Ausgabe von Der Samstagabend-Post. Abonnieren Sie das Magazin für mehr Kunst, inspirierende Geschichten, Belletristik, Humor und Beiträge aus unseren Archiven.


Quelle: https://www.saturdayeveningpost.com/2025/12/the-ritchie-boys-the-allies-secret-weapon/ 

(Stand 28.12.2025) 

Montag, 13. Oktober 2025

Ziel der Petition erreicht: Geiseln im Gazastreifen sind frei. Ein riesiges Dankeschön an die große Masse der Unterstützer

 13. Oktober 2025

Erfolg der Petition: Geiseln im Gazastreifen sind frei

Axel Reitel
Deutschland


Ein riesiges Dankeschön an 1.808 Unterstützerinnen und Unterstützer der Petition „Aufruf zur aktiven Hilfe für die Deutschen und alle Geiseln im Gazastreifen“!
Ihr habt gezeigt, was Mitgefühl, Entschlossenheit und Zusammenhalt bewirken können. Mit eurer Stimme habt ihr nicht nur ein Zeichen gesetzt – ihr habt geholfen, Leben zu retten.
Die Petition zur aktiven Hilfe für deutsche Geiseln im Gazastreifen wurde dank euch zum Erfolg. Heute kommen die Geiseln frei. Dieser Moment gehört euch genauso wie den Betroffenen.
Ob durch Teilen, Kommentieren oder Unterzeichnen – jede einzelne Unterstützung hat gezählt. Ihr wart laut, ihr wart klar, ihr wart menschlich.
Danke für eure Solidarität. Danke für eure Menschlichkeit. Danke, dass ihr Hoffnung möglich gemacht habt.

Quelle: Internet


Erfolg der Petition: Geiseln im Gazastreifen sind frei

Die Petition „Aufruf zur aktiven Hilfe für die Deutschen und alle Geiseln im Gazastreifen“ auf Change.org hat ihr Ziel erreicht und wurde mit dem Status „Victory“ abgeschlossen. Insgesamt 1.808 Unterstützer forderten darin von der Bundesregierung sowie internationalen Organisationen konkrete Maßnahmen zur Befreiung der Geiseln.

Heute ist es endlich soweit: Die Geiseln kommen frei.

Dank des öffentlichen Drucks, des Engagements von US-Präsident Donald Trump und der breiten zivilgesellschaftlichen Unterstützung wurden diplomatische Initiativen verstärkt, humanitäre Organisationen mobilisiert und politische Aufmerksamkeit auf das Schicksal der Geiseln gelenkt. Die Petition hat maßgeblich dazu beigetragen, dass das Thema in Medien und Regierungskreisen stärker wahrgenommen wurde.

Dieser Erfolg zeigt eindrucksvoll, wie kraftvoll gemeinsames Engagement sein kann – besonders in Zeiten der Krise, in denen Menschlichkeit und Solidarität über Grenzen hinweg gefragt sind.

Mittwoch, 3. September 2025

Petition (Ziel erreicht): Aufruf zur aktiven Hilfe für die deutschen und alle Geiseln im Gazastreifen






Das Problem

Aufruf zur aktiven Hilfe für deutsche Geiseln im Gazastreifen

 

Das Problem

An das Auswärtige Amt und die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland 
Betreff: Aufruf zur aktiven Hilfe für die deutschen und alle Geiseln im Gazastreifen

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großer Sorge und wachsender Verzweiflung verfolgen wir die Lage der Geiseln, die seit dem terroristischen Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 im Gazastreifen festgehalten werden. Darunter befanden sich acht deutsche Staatsbürger, von denen fünf noch am Leben sind: Tamir Nimrodi, Alon Ohel, Gali Berman, Ziv Berman und Rom Braslavski. Es ist eine fundamentale staatsbürgerliche Erwartung, dass Deutschland seine Verantwortung auch gegenüber seinen Bürgerinnen und Bürgern ernst nimmt – besonders in Situationen existenzieller Gefahr.

Die Terrororganisation Hamas nutzt die Geiseln als menschliches Druckmittel. Sie verweigert den Zugang für internationale Organisationen, kommuniziert nicht über deren Zustand und instrumentalisiert die Lage für ihre propagandistischen Zwecke. Trotz dieser Umstände haben wir bislang keine klaren öffentlichen Forderungen oder sichtbaren diplomatischen Initiativen der Bundesregierung gesehen, die speziell auf die Rettung deutscher Geiseln fokussieren. Das Schweigen ist beklemmend.

Während Hilfsgüter per Luftbrücke über Gaza abgeworfen werden – ein Akt, der symbolisch humanitär sein soll – drohen diejenigen, die durch Terror gefangen gehalten werden, in Vergessenheit zu geraten. Wir fragen: Wo bleibt der Aufschrei für die Geiseln? Wo bleibt die klare politische Botschaft, dass die Freiheit und Würde deutscher Staatsbürger nicht verhandelbar sind?

Wir fordern:

Eine öffentlich sichtbare diplomatische Kampagne zur Freilassung der Geiseln mit deutschem Pass.
Die Einbeziehung internationaler Partner mit Einfluss auf Hamas-nahe Strukturen.
Klare Kommunikation an die Familienangehörigen über Fortschritte, Strategien und Positionen.
Politischen Druck auf multilateraler Ebene, damit humanitärer Zugang zu den Geiseln ermöglicht wird.
Die Stimmen der Geiseln dürfen nicht verstummen – und auch die Stimme Deutschlands nicht. Die Pflicht zum Schutz und zur Fürsorge gegenüber Staatsbürgern endet nicht an den Grenzen. Sie ist ein Ausdruck der Menschenwürde und der Werte, denen Deutschland verpflichtet ist.

Mit der Hoffnung auf entschlossenes Handeln verbleiben wir
in Solidarität mit den Geiseln, ihren Familien und allen Menschen, die für Menschlichkeit eintreten.

Hochachtungsvoll,

Axel Reitel, Berlin 

Kirstine Schwenger, Berlin 

Bernd Markowsky,  Porto/Portugal 

Prof. Annette Krisper-Beslic, Leipzig

Gudrun Jugel, Leipzig 

Aktuell 1.538 Unterschriften ... 

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Samstag, 23. August 2025

Buchbespechung: Ruth Weiss, Die Löws, eine jüdische Familiensaga, Band 5: Schwere Prüfung – Ein literarisches Mahnmal von Wucht und Glanz

 

Ruth Weiss, Die Löws, eine jüdische Familiensaga, Band 5: Schwere Prüfung – Ein literarisches Mahnmal von Wucht und Glanz


Dieser Band ist tief bewegende, historisch präzise, und hochliterarische Meistererzählung. Ruth Weiss beschreibt im fünften Teil ihrer Familiensaga „Die Löws“ in Berlin – die Folgen des berüchtigten Gesetzes zur Wiedereinführung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933. Jüdische Mitmenschen durften fortan nicht mehr beschäftigt werden. Sie wurden systematisch aus dem gesellschaftlichen Leben gedrängt und später millionenfach in Konzentrationslagern  mit industrieller Effizienz ermordet.



Kalt, ohne menschliche Regung, wurden im Protokoll der Wannseekonferenz vom 20. Januar 1942 zur „Endlösung der Judenfrage“ die elf Millionen in Europa lebenden Juden erfasst und ihre Ermordung beschlossen – unter dem Begriff „die Zurückdrängung der Juden aus dem Lebensraum des deutschen Volkes“. „Bisher“ wurde weiter im Protokoll vermerkt, seien „rund 537.000 [Juden] zur Auswanderung gebracht“ worden. Nun sei „anstelle der Auswanderung […] die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten“. Diese,  durch das Gesetz von 1933 eingeleitete menschliche Katastrophe – die Katastrophe des Menschen durch den Menschen – steht im Zentrum dieses Romans über Überleben und Widerstand der Familie Löw.

Oder ist es der Widerstand der Musik selbst? Ohne Musik ist Leben bekanntlich ein Irrtum. Und Ruth Weiss stellt ihre äußerste Bedrohung gleich an den an den Anfang ihrer Geschichte. Das Leben der jungen Melanie Löw, eine talentierte Musikerin, wird durch die politischen Umbrüche und zunehmender antisemitischer Gewalt für immer erschüttert.

Mit großer Sensibilität zeichnet Weiss das Porträt der „gemischten Liebe“ zwischen Melanie und Gottlieb Becker – eine Beziehung, die in der Kindheit beginnt und sich gegen alle Widerstände zu einer tiefen Verbindung entwickelt. Die weiteren Ereignisse werden in klarer, poetischer Sprache erzählt, durchzogen von historischen Details.

Eindrucksvoll ist die Darstellung der familiären Dynamiken: Paul und Selma Löw, Melanies Großeltern, reagieren mit stillem Mitgefühl und tiefer Sorge. Besonders die Szene im Nachtlokal „Schwebender Engel“, in dem Melanie spielt, um ihren Traum von Unabhängigkeit zu leben, wird durch einen brutalen SA-Überfall zerstört – ein Moment, der filmreif erscheint.

Die Trennung von Melanie und Gottlieb wird zum Sinnbild jener teuflischen Reality-Soap, die Deutschland zwischen 1933 und 1945 praktizierte. Die Szene am Anhalter Bahnhof, wo Melanie nach Frankreich fliehen will und Gottlieb von SA-Männern abgeführt wird, ist von erschütternder Intensität.

Paul Löws Überlegungen zur religiösen Identität seiner Enkelin, seine körperliche Schwäche angesichts der Gewalt, Melanies verzweifelte Flucht und Gottliebs brutale Misshandlung bleiben emotional präsent und tragisch.

Die Auswirkungen der Nürnberger Gesetze verflechten sich zunehmend mit den persönlichen Schicksalen der Familie Löw. Jede Figur bleibt lebendig, ihre Dialoge glaubwürdig, ihre Handlungen nachvollziehbar.

Die Geschichte von Erna Maurer, die ihre Kinder verliert und sich als Kindermädchen neu orientieren muss, sowie Paul Löws Entwicklung zur moralischen Instanz – etwa, wenn er Goebbels’ Propaganda kommentiert oder die Verstaatlichung des Berliner Philharmonischen Orchesters als kulturelle Kapitulation beschreibt – sind hallen mahnend bis in unsere Zeit.

Die persönliche Tragödie um Adolf Löw, der sich nach der Scheidung das Leben nimmt, ist ein erster erschütternder Höhepunkt. Weiss beschreibt diesen Moment mit größter Zurückhaltung und Würde – ohne Pathos, aber mit tiefem Mitgefühl. Die Szene, in der Adolf sich für seinen letzten Gang zurechtmacht, ist ein stiller Protest gegen die Entwürdigung, die vielen „gemischten Ehen“ widerfuhr.

Die politischen Entwicklungen des Jahres 1938 – von der systematischen Erfassung jüdischer Bürger über Zwangsausweisungen bis zur Reichspogromnacht – werden in kühler Dichte geschildert. Paul Löw wird zur Chronistenfigur, die das Unheil erkennt, benennt und versucht, mit den wenigen Mitteln zu helfen, die ihm bleiben.

Die Familienverflechtungen und die Auswirkungen der Nürnberger Gesetze auf die weit verzweigte Löw-Kohn-Familie sind eindrucksvoll dargestellt. Die Geschichte von Nora Funkel und ihrem Vater Tobias, die in einer Nacht deportiert werden, steht exemplarisch für die Brutalität und Willkür der Maßnahmen.

Die Inhaftierung von Paul Löw und seine Deportation nach der Reichspogromnacht, die nächtlichen Übergriffe sowie die Zerstörung der Löw-Villa unter der Aufsicht eines ehemaligen Gärtners, der nun SA-Gruppenführer ist, verdeutlichen die Pervertierung von Macht und die völlige Entmenschlichung im nationalsozialistischen Deutschland. Diese Szenen sind beklemmend realistisch und zugleich literarisch mit großem Mitgefühl gestaltet.

Die Schilderung des Konzentrationslagers ist nüchtern und ernüchternd. Die Fakten, die Perspektive des gealterten Paul Löw, seine Appelle, die Gewalt, die Kälte und der Hunger sind so eindringlich beschrieben, dass sie einen lange nicht loslassen. Besonders beeindruckend ist Pauls innerer Monolog – seine Gedanken über Organisation, Listen, Enteignung und die rücksichtslose Logik der Täter.

Dabei bleiben auch die familiären Verflechtungen präsent: Pauls Sorge um seine Kinder, seine Gedanken zur Auswanderung, die Hoffnung auf Visa und die Schwierigkeiten der Emigration. Die private Ebene ist vollständig von der politischen Willkür abhängig geworden. Die Szene, in der Paul gegen seinen Willen einen Verkaufsvertrag für sein Haus unterschreiben muss, wird zum Symbol für die vollständige Entrechtung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung.

Die Enteignung Paul Löws, seine erzwungene Unterschrift unter Verkaufsverträge und die perfide Einführung des Zwangsnamens „Israel“ sind Ausdruck einer mit erschreckenden Effizienz betriebenen Entmenschlichung.

Merkwürdig eindrucksvoll wirkt die Szene mit dem SS-Mann Scharnau, der gegenüber Paul Mitgefühl zeigt. Es ist ein Moment der Ambivalenz, der zeigt, dass selbst Täter nicht immer eindimensional sind. Ruth Weiss nutzt diese Begegnung, um die Komplexität menschlicher Beziehungen im Kontext totalitärer Gewalt zu beleuchten – ohne zu relativieren.

In der Außenwelt der Lager bleiben die Emigrationsversuche der Familie Löw geprägt von Hoffnung, Rückschlägen und weiteren tragischen Wendungen. Die Geschichte von Franz, der auf der Flucht erschossen wird und dessen Asche in einer Urne per Paket an seine Familie gelangt, ist von erschütternder Kraft. Die Szene, in der Stefanie die Urne entdeckt, gehört zu den emotional stärksten des Romans – ein Moment, der die ganze politische Barbarei in sich vereint.

Als Lichtblick erscheint der Kindertransport nach England. Die Organisation, die Beteiligung der jüdischen Gemeinde und die Hoffnung, die mit der Rettung der Kinder verbunden ist, zeigen, dass selbst in Zeiten größter Not Solidarität und Menschlichkeit möglich sind. Die Figur der Marjorie Lowe, die sich für die Kinder einsetzt, steht exemplarisch für diese Hoffnung.

Ein Licht inmitten der Dunkelheit, die auch die anderen Handlungsstränge durch Schmerz, Unsicherheit, Flucht, Gewalt, Verrat und Tod durchzieht. Ludwig Löws Rettung durch den Mönch Pater Emmanuel ist ein leiser, aber kraftvoller Kontrapunkt zur allgegenwärtigen Gewalt. Die Szene, in der Ludwig am Amsterdamer Bahnhof Abschied nimmt, ist von stiller Größe und von Hoffnung getragen.

Diese Momente wirken wie tragende Säulen in der zunehmend düsteren Realität des Jahres 1939 – dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg beginnt und die systematische Terrorpolitik des NS-Regimes neue Formen annimmt. Das Kapitel über die beginnende „Euthanasie“-Aktion wurde literarisch vielleicht noch nie mit solcher historischen Präzision behandelt.

Die Szene, in der der entlassene Paul Löw das Kinderheim besucht und die kleine Lettie von einer Reise „in den ewigen Schnee“ spricht, bei dem blauen Bonbon geschluckt werden sollen, ist von einer erschütternden Genauigkeit, wie man sie sonst nur bei Kleist findet. Letties ermöglichte Flucht verleiht dem Moment eine beklemmende Intensität.

Auch die Beschreibung der politischen Entwicklungen – der Krieg gegen Polen, die Lügen über den angeblichen Überfall auf den Sender Gleiwitz, die Kriegserklärungen der Alliierten – ist präzise und historisch fundiert.

Wie bei Kleist lohnt es sich, auf die kleinen Gesten zu achten: In parallelen Erzählsträngen – etwa im Warschauer Ghetto – wird Paul und Selmas Freitod nach dem Durchbruch der Wehrmachtsverbände geschildert. Paul will nicht noch einmal in ein Lager. Die Geschichten von Chajim Levi, Tobias Funkel, Nora Kohn und Gideon Levi, die Selbsthilfegruppen, Suppenküchen und improvisierten Krankenstationen zeigen die Menschlichkeit, die auch durch Hilfe von Untergrundgruppen aufrechterhalten wurde.

Die Beschreibung der Untergrundarbeit – die Verteilung von Nachrichten, die Organisation von Verstecken – verdichtet sich mit den Deportationen nach Theresienstadt und Auschwitz auf engstem Raum. Die Deportation von Zara und André nach Theresienstadt und ihr Tod dort sind erschütternd.

Besonders bewegend ist Andrés geistiger Rückzug in eine Welt des Theaters – ein Mann, der in der Realität nicht mehr leben kann und sich in seine Rollen flüchtet. Zara, die ihn bis zuletzt begleitet, wird zur stillen Heldin, die trotz allem versucht, Kindern Hoffnung zu geben – bis auch sie nach Auschwitz deportiert wird.

Parallel dazu erleben wir Melanies Rückkehr nach Berlin und ihre Rettung durch Anton von Kurtzner. Die Beziehung zwischen den beiden ist geprägt von gegenseitigem Respekt, Fürsorge und einem stillen Einverständnis. Anton, ein Mann der inneren Opposition, wird zum Retter – nicht nur für Melanie, sondern auch für den jungen Schauspieler Bobbie. Ruth Weiss zeigt eindrucksvoll, wie selbst in einem System der Unmenschlichkeit einzelne Menschen Menschlichkeit bewahren können.

Die Szene, in der Bobbie sich in einem selbst gegrabenen Versteck unter einer Gartenhütte verbirgt, ist von beklemmender Spannung. Weiss beschreibt die Angst, die Vorsicht, die Improvisation – und die ständige Bedrohung durch Entdeckung. Dass Bobbie überlebt, ist ein seltener Moment der Erleichterung in einem düsteren Kapitel, das die Vernichtung durch das nationalsozialistische Regime beschreibt.

Besonders eindrucksvoll ist auch die Darstellung von Antons innerer Zerrissenheit. Als Diplomat arbeitet er im System, um vielleicht Schlimmeres zu verhindern – und wird dabei selbst zum Mitwisser. Ruth Weiss zeichnet ihn als komplexe Figur, die zwischen Pflicht, Schuld und Menschlichkeit balanciert.

Die Deportation von Manfred Löw nach Auschwitz ist ein weiterer tragischer Höhepunkt. Weiss beschreibt mit großer Zurückhaltung, aber eindringlicher Klarheit, wie der junge Mann in die Hölle der Lager gerät – ohne Glauben, ohne Ziel, nur mit dem Willen zu überleben. Die Darstellung seiner inneren Leere, seiner Entfremdung und der Verrohung im Lager ist erschütternd und authentisch.

Parallel dazu schildert Weiss den Aufstand im Warschauer Ghetto mit großer historischer Genauigkeit. Die Figuren Gideon, Salome und Nora Kohn werden zu Symbolen des jüdischen Widerstands. Ihr Mut, ihre Entschlossenheit und ihre Opferbereitschaft stehen im Kontrast zur systematischen Vernichtungspolitik der Nazis. Der Aufstand, die Flucht durch unterirdische Gänge, die Verbindung zum polnischen Widerstand – all das zeigt, dass selbst im Angesicht des Todes Hoffnung und Kampfgeist möglich sind.

Besonders bewegend ist die Szene, in der Nora Kohn sich entscheidet, nicht zu fliehen, sondern weiterzukämpfen – bis zum Tod. Ruth Weiss verleiht dieser Entscheidung eine stille Größe, die lange nachwirkt. Auch Gideon und Salome, die sich den Partisanen anschließen, werden zu Symbolfiguren des Überlebens und der Hoffnung.

Die Beschreibung des Lagers Westerbork, in das Klara und Hester deportiert werden, ist ein weiteres Beispiel für die präzise und schonungslose Darstellung der Realität. Die Zusammenarbeit deutscher Juden mit der SS, die Organisation der Transporte, die seelische Zerstörung der Insassen – all das wird mit großer Klarheit und Empathie erzählt.

Ruth Weiss gelingt es auch in diesem Abschnitt, das Grauen des Holocaust mit der Hoffnung auf Menschlichkeit und Widerstand zu verknüpfen. Die Flucht von Klara und Lettie aus dem Deportationszug gehört zu den bewegendsten Szenen des Romans. Die Beschreibung der waghalsigen Flucht, Letties Verletzung und die Hilfe durch niederländische Bauern zeigen, dass selbst in den dunkelsten Momenten Menschlichkeit möglich ist.

Die Figur Klara wächst in dieser Passage über sich hinaus. Ihre Fürsorge für Lettie, ihre Entschlossenheit und ihre Fähigkeit zur Improvisation machen sie zur stillen Heldin. Ruth Weiss zeigt eindrucksvoll, wie Verantwortung für andere neue Kraft geben kann – und wie das Überleben oft von kleinen Zufällen und mutigen Entscheidungen abhängt.

Parallel dazu wird das Attentat vom 20. Juli 1944 gegen Hitler thematisiert. Die Figur Anton von Kurtzner, ein stiller Widerstandskämpfer im diplomatischen Dienst, wird zum Symbol für die innere Opposition. Die Szene, in der Melanie von Bruno Held gewarnt wird, ist von beklemmender Spannung. Ruth Weiss zeigt, wie das Netzwerk der Widerständler funktioniert – und wie gefährlich jede Verbindung ist.

Die Beschreibung von Melanie, die sich mit einem gefälschten Ausweis durch das zerstörte Berlin bewegt, ist ein weiteres Beispiel für die literarische Kraft des Romans. Ruth Weiss gelingt es, die Atmosphäre von Angst, Zerstörung und Hoffnung eindringlich zu schildern.

Gegen Ende dieser meisterhaften Erzählung verdichtet Ruth Weiss die zentralen Themen des Romans: Flucht, Widerstand, Verlust, Überleben – und die schwierige Rückkehr in eine Welt nach dem Grauen. Die Geschichte von Melanie, die sich nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler durch das zerstörte Berlin schlägt, ist von beklemmender Spannung und tiefer Menschlichkeit geprägt. Ihre Begegnung mit Bobbie und den anderen Versteckten auf dem Friedhof ist ein Moment der Hoffnung inmitten der Zerstörung.

Die Beschreibung des Lebens im Mausoleum, der improvisierten Gärtnerei und der Hilfe durch den Pfarrer zeigt eindrucksvoll, wie Überleben möglich war – wenn Mut, Solidarität und Zufall zusammentrafen. Ruth Weiss schildert diese Szenen mit großer Authentizität und Empathie.

Parallel dazu wird das Schicksal von Gideon und Salome erzählt, die als jüdische Partisanen im Wald überleben und nach dem Krieg ihren Sohn Abraham wiederfinden. Die Szene der Wiederbegegnung ist bewegend und zeigt, wie tief die Wunden sind, die der Krieg hinterlassen hat – auch in den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern.

Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung von Hanna Löw, die als Krankenschwester in Bergen-Belsen arbeitet und später im DP-Lager hilft, Überlebende zu versorgen. Die Begegnung mit Katja Walser ist ein stiller Moment der Wiederannäherung – ein Zeichen dafür, dass Familie, trotz allem, wieder möglich sein kann.

Die Reflexionen über die Entnazifizierung, die Frage nach Schuld und Verantwortung, die Suche nach Gottlieb – all das zeigt, wie schwer es ist, nach dem Krieg wieder Sinn zu finden. Ruth Weiss stellt diese Fragen nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit literarischer Tiefe und menschlicher Wärme.

Und so endet dieser Roman mit Schluss voller Hoffnung. Am Ende versammeln sich die Überlebenden in Israel. Sie gedenken ihrer Toten, feiern ihre Rettung, erzählen ihre Geschichten. Asaf Löw spricht das Kaddisch, legt Steine auf die Gräber der Vorfahren. Es ist ein Moment der Heilung, der Erinnerung, der Zukunft.

Ja, der fünfte Band, Schwere Prüfung, ist ein Roman der Gesichter. Jedes trägt eine Geschichte, jede Geschichte ein Echo. Ruth Weiss hat ein Werk geschaffen, das nicht nur erzählt, sondern durch die Kraft ihrer Erzählkunst bewahrt. Die Löws sind fiktiv, aber ihre Erfahrungen sind real. Ihr Überleben ist unser Erinnern und unsere Pflicht.

Ruth Weiss, Die Löws. Eine jüdische Familiensaga in Deutschland. Band 5, Schwere Prüfung, Verlag Edition AV, Taschenbuch,  ‎222 Seiten, 16 Euro. ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3868411713

Quelle: https://www.tabularasamagazin.de/axel-reitel-ruth-weiss-die-loews-eine-juedische-familiensaga-band-5-schwere-pruefung/

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